Eine Demenzerkrankung verändert das Miteinander. Selbst ein Mensch, den man früher als den friedlichsten der Welt bezeichnet hätte, kann dann plötzlich aggressiv wirken. Was können Angehörige tun, wenn Beschimpfungen, Schreien oder körperliches Wegstoßen den Alltag belasten?
Ruhe bewahren und die Botschaft entschlüsseln
Einmal tief durchatmen und sich sammeln, dabei vielleicht sogar kurz den Raum verlassen: Das ist ein guter Anfang. Mit einem kühlen Kopf fällt es nämlich leichter, dem Auslöser für dieses Verhalten auf den Grund zu gehen. Denn Schimpfen, Schreien, Zurückstoßen und ähnliche Reaktionen passieren nicht aus Boshaftigkeit, sondern tragen eine Botschaft in sich, wie die Alzheimer Forschung Initiative (AFI) erklärt. Sie lautet: Irgendwas stimmt für die erkrankte Person hier gerade nicht.
Mögliche Auslöser für aggressives Verhalten
Angst
Menschen mit Demenz können selbst vermeintlich kleine Alltagssituationen als große Bedrohung empfinden – etwa, wenn sie kurz auf jemanden warten müssen und nicht wissen, ob die Person wieder zurückkehrt.
Schmerzen und Unwohlsein
Weil demente Personen diese Empfindungen nicht klar in Worte fassen können, drücken sie sie mitunter in Form von aggressivem Verhalten aus.
Überforderung durch zu viele Reize
Helles Licht, Lärm, neue Eindrücke und Menschen – all das kann Erkrankten zu viel werden.
Sanfte Worte und Ablenkung: Das hilft
Was jetzt nichts bringt: selbst mit Wut zu reagieren, denn das kann die Person mit Demenz noch mehr verunsichern. Stattdessen helfen Geduld und Einfühlungsvermögen der AFI zufolge nun am meisten weiter.
Die Experten raten daher, die erkrankte Person mit sanfter Sprache und beruhigenden Gesten zu trösten. Haben Angehörige den Auslöser identifiziert, können sie versuchen, ihn aus der Welt zu schaffen – etwa, indem sie die erkrankte Person an einen ruhigeren Ort bringen.
Zudem kann es die Situation entschärfen, wenn Angehörige die Aufmerksamkeit umlenken – und zwar auf etwas Interessantes oder Positives. Das kann eine schöne Melodie oder ein Fotoalbum sein, wie die AFI vorschlägt.
Vorbeugung durch Struktur im Alltag
Vorbeugend können Angehörige darauf achten, dass die Person mit Demenz ausreichend Struktur in ihrem Alltag hat. Erst Anziehen, dann Frühstück, dann ein kleiner Spaziergang: Solche festen wiederkehrenden Routinen vermitteln Sicherheit und senken das Risiko für Überforderungsmomente.



