Heike aus der Uckermark: Vom eigenen Leid zur Hilfe für andere
Heike* (61) bittet den Nordkurier, über ihr bewegendes Leben und ihr Herzensprojekt zu berichten. Die dreifache Mutter aus der Uckermark hat seit ihrer Jugend immer wieder mit depressiven Schüben zu kämpfen. Während ihrer zahlreichen Klinikaufenthalte erkannte sie, dass viele Menschen ähnliche Erfahrungen machen. Jetzt, in ihrem Rentenalter, will sie anderen helfen.
Ein prägendes Erlebnis und der Wendepunkt
„Der Tod des Vaters meines jüngsten Sohnes hat mich endgültig umgehauen“, gesteht Heike offenherzig. Dieses traumatische Ereignis habe sie komplett aus der Bahn geworfen. Erst nach vielen Gesprächen, Behandlungen und Therapien konnte sie sich wieder stabilisieren. In dieser schwierigen Zeit beobachtete sie in Wartezimmern und Kliniken, dass zahlreiche Menschen ähnlich litten wie sie selbst.
Die ehemalige Pflegekraft betont, dass ihre Sensibilität für die Nöte anderer nicht nur auf ihre Berufserfahrung zurückzuführen sei. „Ich kann förmlich sehen, wenn es jemandem nicht gut geht“, erklärt sie. Dies liege vor allem daran, dass sie aus eigener Erfahrung wisse, wie sich Kranksein anfühlt – besonders wenn lange Zeit keine klare Diagnose gestellt werden kann.
Die Vision vom „Wohnzimmer“-Projekt
Schon während ihrer Therapiezeiten reifte in Heike der Wunsch, mit ihren Erfahrungen anderen zur Seite zu stehen. „Im Kopf hatte ich lange mein Projekt namens ‚Wohnzimmer‘“, erinnert sich die chronisch Kranke. Jetzt, da sie Altersrente bezieht und ihre drei Kinder selbstständig leben, will sie diese Vision endlich verwirklichen.
Heike ist überzeugt: „Zum Gesundwerden gehört viel mehr als nur Tabletten. Ich sage nur Ruhe, Kuscheln, Sonne, Natur und gesunde Ernährung.“ Ganz wichtig sei dabei auch ZEIT – ein Wort, das sie besonders betont.
Kein Ersatz für professionelle Hilfe, aber wertvolle Unterstützung
Die dreifache Mutter macht deutlich: „Ich kann und will natürlich keinen Arzt ersetzen.“ Stattdessen möchte sie eine geschützte Umgebung schaffen, in der Betroffene über ihre Probleme sprechen können. In diesem Rahmen sollen gemeinsam Lösungen gesucht oder geeignete Mediziner und Therapeuten gefunden werden.
„Ich möchte nur Unterstützung geben, zuhören und trösten“, beschreibt Heike ihre Motivation. Sie ist bereit, dabei viel von ihren eigenen Erfahrungen preiszugeben, denn „das ist wahrscheinlich nötig, damit andere den Mut finden, sich zu öffnen“.
Ein persönlicher Hintergrund voller Verluste
Heikes Leben war von frühen Verlusten geprägt: Als Älteste von drei Geschwistern verlor sie ihre Mutter in jungen Jahren und musste erst kürzlich auch ihren Vater betrauern. „Schade finde ich, dass ich lange nicht mutig genug war, um mit meinem Projekt an die Öffentlichkeit zu gehen“, reflektiert sie. Doch nun ist sie entschlossen: „Besser jetzt als nie. Noch habe ich ja Zeit.“
Ein aktuelles Erlebnis bestärkt sie in ihrem Vorhaben: Kürzlich traf sie einen etwa 50-jährigen Mann, der wacklig auf den Beinen einen Rollator vor sich her schob. Als sie ihm ihre Begleitung anbot, nahm er dankend an. Während eines fast einstündigen Spaziergangs durch die Stadt vertraute er ihr seine Sorgen an – genau die Art von Begegnung, die Heike mit ihrem Projekt fördern möchte.
Die Hoffnung auf Resonanz
Heike hofft nun, dass sich Menschen bei ihr melden, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben oder aktuell mit psychischen Problemen kämpfen. Die Redaktion des Nordkuriers stellt gerne den Kontakt her. Für die 61-Jährige ist klar: Nach einem Leben voller Herausforderungen will sie ihre gesammelten Erfahrungen nun nutzen, um anderen auf dem Weg zur Besserung beizustehen.



