Optimismus als erlernbare Fähigkeit: So entwickeln Sie positive Denkmuster
Fällt es Ihnen in herausfordernden Phasen schwer, eine positive Grundhaltung zu bewahren? Die renommierte Psychologin und Verhaltenswissenschaftlerin Dr. Deepika Chopra, international als "Optimismus-Ärztin" bekannt, verrät im Gespräch mit der Times wirksame Strategien, um auch in schwierigen Zeiten optimistisch zu bleiben.
Die Natur des Optimismus: Kein Persönlichkeitsmerkmal, sondern trainierbare Kompetenz
Während manche Menschen von Natur aus optimistischer veranlagt sind, betont Dr. Chopra eine entscheidende Erkenntnis: Optimismus ist keine festgelegte Charaktereigenschaft, sondern eine psychologische Fähigkeit, die sich aktiv erlernen und entwickeln lässt. „Echter Optimismus bedeutet nicht, zwanghaft positiv zu sein“, erklärt die Expertin. „Vielmehr geht es darum, die Fähigkeit zu behalten, klar zu denken, sich konstruktiv einzubringen und aktiv auf Situationen zu reagieren.“
Medienkonsum bewusst steuern: Der Einfluss von Nachrichten auf unsere Psyche
Ein zentraler Faktor für pessimistische Gedankenmuster ist der übermäßige Konsum negativer Nachrichten. Unser Gehirn neigt dazu, bei Sorgen und Unsicherheiten automatisch Worst-Case-Szenarien zu konstruieren. Die Amygdala – jener Bereich des Gehirns, der als Gefahrenscanner fungiert – wird dabei überaktiv.
Dr. Chopra empfiehlt hier einen bewussten Perspektivwechsel: Statt sich in ängstlichen „Was-wenn“-Fragen zu verlieren, sollte man sich fragen: „Was kann ich in diesem Moment kontrollieren? Welcher konkrete Schritt ist als nächstes möglich?“ Zudem rät die Psychologin zu einer intentionalen Gestaltung des Nachrichtenkonsums – bewusst zu entscheiden, wann, wie viel und welche Informationen man aufnimmt, kann erheblich entlasten.
Herausforderungen neu definieren: Von Bedrohungen zu Möglichkeiten
„Ein Optimist ist jemand, der in der Realität verankert bleibt, aber Rückschläge als vorübergehend betrachtet“, erläutert Dr. Chopra. Ein wichtiger mentaler Trick besteht darin, vermeintliche Bedrohungen bewusst als Herausforderungen umzudeuten. Diese Haltungsänderung ermöglicht nicht nur psychische Entlastung, sondern führt nachweislich zu besseren Entscheidungen in schwierigen Situationen.
Die Kraft der Erfahrung: Aus vergangenen Bewältigungen schöpfen
Optimismus speist sich maßgeblich aus Erfahrungswerten. „Er entsteht daraus, dass man schwierige Tage und Rückschläge bereits erfolgreich überstanden hat“, so die Psychologin. In momentanen Krisen kann man sich daher selbst ermutigen: „Dies ist keine einfache Situation. Aber ich weiß aus Erfahrung, dass ich bereits durch sehr schwere Zeiten gegangen bin und sie bewältigt habe.“
Strukturierte Sorgenbewältigung: Die Methode der festen „Sorgenzeit“
Ein besonders wirksames Werkzeug ist die Einführung einer täglichen, zeitlich begrenzten „Sorgenzeit“. Dr. Chopra praktiziert dies selbst mit 15 Minuten nach dem Schulabsetzen ihrer Kinder. Sorgen, die außerhalb dieses Zeitfensters auftauchen, werden notiert und später bearbeitet. Während der festgelegten Sorgenzeit stellt man sich die zentrale Frage: „Kann ich aktiv etwas tun, um dieses Problem zu lösen?“
Wenn ja, wird ein konkreter Handlungsplan entwickelt. Wenn nein, gilt es bewusst loszulassen. Wissenschaftliche Studien belegen: Menschen, die ihre Sorgen auf diese Weise bewusst begrenzen und strukturieren, können Unsicherheiten besser aushalten und Probleme insgesamt produktiver angehen.
Diese Strategien zeigen deutlich: Optimistisches Denken ist keine Glückssache, sondern das Ergebnis bewusster mentaler Praxis und erlernbarer Techniken, die uns helfen, auch in turbulenten Zeiten psychische Widerstandskraft zu entwickeln.



