Ismaninger Schlossanlage: Verborgenes Juwel bei München mit reicher Geschichte
Ismaninger Schlossanlage: Verborgenes Juwel bei München

Ismaninger Schlossanlage: Ein verborgenes historisches Juwel vor den Toren Münchens

Während der Nymphenburger Schlosspark weltberühmt ist, bleibt die Ismaninger Schlossanlage vielen Münchnern und Besuchern der Region unbekannt. Dieses kleinere, aber nicht weniger faszinierende Ensemble aus Schloss, Park und Nebengebäuden bietet Geschichtsinteressierten jedoch ein reiches Betätigungsfeld voller Entdeckungen.

Vom Renaissance-Schloss zum Rathaus: Eine wechselvolle Geschichte

Die Anfänge des Ismaninger Schlosses reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Um 1530 ließ der Freisinger Bischof Philipp ein Renaissance-Schloss errichten, das den Freisinger Fürstbischöfen als Verwaltungsmittelpunkt diente. Im 18. Jahrhundert wurde dieses Gebäude im Auftrag von Fürstbischof Johann Franz von Eckher abgerissen und durch ein neues Schloss im Stil des beginnenden Rokokos ersetzt.

Eine entscheidende Veränderung erlebte die Anlage im 19. Jahrhundert: Im Oktober 1816 erwarb Eugène de Beauharnais, Stiefsohn Napoleons, das Schloss. Gemeinsam mit seiner Ehefrau, Herzogin Auguste Amalie von Leuchtenberg, ließ er es vom Hofarchitekten Jean-Baptiste Métivier im klassizistischen Stil umgestalten. Aus dieser Zeit sind noch die beiden Prunksäle erhalten – der Blaue und der Rote Saal – mit ihren Wanddekorationen im Stil der pompeijanischen Malerei und den originalen Möbeln.

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Vom privaten Refugium zum öffentlichen Gebäude

„Unter der Leuchtenbergzeit mit Auguste Amalie war das Schloss ihre private Sommerresidenz. Und diesen Charme hat das Schloss bis heute“, erklärt Christine Heinz, ehemalige Leiterin des Schlossmuseums und Kreisheimatpflegerin. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte mehrere Besitzerwechsel mit sich, bis das Schloss 1899 an die Stadt München verkauft wurde.

Erst am 15. November 1919 konnte die Gemeinde Ismaning das Schloss mit seinen Park- und Gartenanlagen im Rahmen eines Tauschvertrags erwerben. Seit 1934 dient das Gebäude teilweise der Gemeindeverwaltung, und seit Mitte der 1950er Jahre wird es ausschließlich als Rathaus genutzt.

Ein neues Standardwerk zur Schlossgeschichte

Christine Heinz hat ihre über 25-jährige Forschungsarbeit zur Geschichte der Schlossanlage nun in einem umfassenden Werk zusammengefasst. Das 200 Seiten starke Buch „Ismaning – so schön und so friedlich. Die Geschichte der Ismaninger Schlossanlage“ entstand in Zusammenarbeit mit Verleger Franz Schiermeier und zeichnet gut verständlich und reich bebildert die Historie des Prunkbaus, seiner Nebengebäude, des Schlossparks und der Schlossökonomie nach.

Die Autorin hat dafür zahlreiche Dokumente, Bauakten, Karten, Briefe und historische Quellen gesammelt und ausgewertet. Das Buch ist im Schlossmuseum Ismaning sowie im Buchhandel für 28,50 Euro erhältlich.

Aktuelle Angebote für Besucher

Noch bis zum 12. April können Interessierte die kostenlose Sonderausstellung „Ismaning – so schön und so friedlich. Die Geschichte der Ismaninger Schlossanlage“ im Schlossmuseum besuchen. Die Ausstellung zeigt, wie eng die Geschichte des Schlosses mit der Region verwoben ist – vom Kauf der Herrschaft Ismaning durch das Hochstift Freising 1319 über die Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg bis hin zu den prachtvollen Erweiterungen durch Leo von Klenze im 19. Jahrhundert.

Das Schlossmuseum Ismaning in der Schloßstraße 3 hat dienstags bis samstags von 14.30 bis 17 Uhr sowie sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Montags sowie am Faschingsdienstag (17. Februar) bleibt das Museum geschlossen.

Weitere kulturelle Angebote in der Anlage

Im Schlosspark befinden sich zusätzlich die Galerie im Schlosspavillon und das Kallmann-Museum in der ehemaligen Orangerie, das wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst zeigt. Dort gibt es auch ein Café als Treffpunkt für Besucher.

Für Kunst- und Geschichtsinteressierte hat Dietrich Maurer, der Leiter des Schlossmuseums, einen besonderen Tipp: Am 22. Februar sind die historischen Prunkräume im Rathaus/Schloss (Schloßstraße 2) von 13 bis 17 Uhr zur Besichtigung geöffnet. Der Rote Saal wird inzwischen regelmäßig für Schlosskonzerte und Veranstaltungen genutzt, während der Blaue Saal museal erhalten bleibt – hier findet sich sogar noch das Original-Parkett aus dem 19. Jahrhundert.

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Die Ismaninger Schlossanlage mag kleiner und weniger prominent sein als der Nymphenburger Schlosspark, doch ihre reiche Geschichte und die vielfältigen kulturellen Angebote machen sie zu einem lohnenden Ausflugsziel für alle, die abseits der ausgetretenen Pfade historische Schätze entdecken möchten.