Neubeginn nach der Feuersbrunst: Moderne Vision für historische Kirche
Für den Wiederaufbau der bei einem verheerenden Brand zerstörten Stadtkirche Großröhrsdorf im Landkreis Bautzen steht nun der Siegerentwurf fest. Das Dresdner Architekturbüro „Code Unique Architekten“ setzte sich in einem hochkarätigen Wettbewerb gegen 14 Mitbewerber aus Sachsen, Berlin und Bayern durch, wie die Kirchengemeinde offiziell mitteilte.
Architektonische Brücke zwischen Tradition und Moderne
Der ausgewählte Entwurf überzeugte das Preisgericht durch seine sensible Verbindung von historischem Erbe und zeitgemäßen Nutzungskonzepten. „Der Entwurf nimmt die Geschichte und Architektur unserer Stadtkirche auf und ergänzt sie im Inneren mit modernen Elementen, die den Anforderungen unserer Zeit entsprechen“, erklärte Jens Großmann, Vorsitzender des Kirchenvorstandes. „Wir sehen darin eine große Chance für einen neuen und starken Mittelpunkt unseres Gemeindelebens und unseres Glaubens.“
Flexibler Innenraum mit multifunktionalen Bereichen
Der markante Kirchturm wird als weithin sichtbares Wahrzeichen originalgetreu wiederaufgebaut. Im Innenraum entsteht jedoch ein völlig neues Konzept:
- Weiße Wände und viel helles Holz schaffen eine lichtdurchflutete Atmosphäre
- Flexibel anpassbarer Raum für bis zu 300 Personen
- Spezieller Bereich für Kinder hinter der Orgel
- Integriertes Kirchencafé für Gemeindetreffen
- Begegnungsgarten im Grünen für Veranstaltungen
Hintergrund der Zerstörung und Wiederaufbaupläne
Das spätbarocke Gotteshaus war in der Nacht vom 4. August 2023 durch Brandstiftung schwer beschädigt worden. Ein Drittel des markanten Kirchturms stürzte ein, die Flammen vernichteten die komplette Innenausstattung. Vom Kirchenschiff blieben nur die Außenmauern erhalten, wertvolle hölzerne Kunstwerke aus Jahrhunderten gingen unwiederbringlich verloren.
Pfarrer Stefan Schwarzenberg bezifferte die Kosten für den Neubau auf etwa 35 Millionen Euro. Bisher sind über 550.000 Euro an Spenden eingegangen, die den Wiederaufbau unterstützen sollen.
Architektenwettbewerb und juristische Aufarbeitung
Der Architektenwettbewerb startete im November des vergangenen Jahres. Ein 26-köpfiges Preisgericht aus Facharchitekten und Vertretern des Kirchenvorstandes wählte den Siegerentwurf aus. Alle eingereichten Entwürfe werden in der kommenden Woche in der Festhalle Großröhrsdorf öffentlich ausgestellt.
Die Brandstiftung wurde juristisch aufgearbeitet: Ein damals 41-jähriger Mann aus dem Umfeld der Kirchgemeinde wurde wegen schwerer Brandstiftung zu neun Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Das Landgericht Görlitz war überzeugt, dass er das Feuer aus Frust über seine familiäre Situation gelegt hatte.
Der Wiederaufbau markiert nun einen Neuanfang für die Gemeinde, der historische Substanz mit zukunftsweisenden Gemeindekonzepten verbindet.



