Abschied der Marktweiber in München: Ein letzter Tanz auf dem Viktualienmarkt
Am Faschingsdienstag, dem 17. Februar, verabschieden sich die legendären Marktweiber des Viktualienmarkts in München mit einem letzten, farbenfrohen Tanz von ihrem treuen Publikum. Nach Jahrzehnten voller Leidenschaft und Tradition markiert dieser Auftritt das Ende einer Ära für fünf ikonische Marktfrauen, die zwischen 67 und 72 Jahre alt sind und aus gesundheitlichen Gründen aufhören.
Emotionaler Abschied nach fast 40 Jahren
Christl Lang, die langjährige Sprecherin der Gruppe und Trägerin des Bayerischen Verdienstordens, steht vor einer schwierigen Entscheidung: Welches ihrer 15 selbstgenähten Kleider soll sie für den letzten Tanz wählen? Von einem grünen Tüllkleid mit Plastikobst bis hin zum berühmten rosafarbenen Erdbeer-Kleid – jede Robe erzählt eine Geschichte aus fast 40 Jahren Tanzgeschichte. „Es ist keine einfache Entscheidung. Ich mag alle meine Kleider, doch jetzt geht es ja um den letzten Tanz“, sagt Lang. Ihre Kolleginnen, darunter Bäckerin Annemarie Doll, Erika Schuster von den Blumenständen, Monika Schneider vom Käsestand und Hella Friedl von der Metzgerei, teilen diese Gefühle. „Mein Rücken macht nicht mehr mit. Es hilft nichts“, erklärt Lang, während Hella Friedl hinzufügt: „Ich stecke auch das Tanztraining nicht mehr so gut weg.“
Ein Jahr Verlängerung nach tragischem Anschlag
Ursprünglich hätte der Abschied bereits im letzten Jahr stattfinden sollen, doch der grausame Anschlag am 13. Februar 2025 in München führte zur Absage aller öffentlichen Faschingsveranstaltungen, einschließlich des „Tanzes der Marktweiber“. Auf Wunsch ihrer Fans entschied sich die Gruppe jedoch für eine Verlängerung um ein Jahr. „Einfach ohne Abschied zu gehen, das wäre nicht gegangen“, betont Christl Lang. „Wir wollen unserem Publikum, das uns so viel Liebe und Freude zurückgegeben hat, Danke sagen.“ Seit Oktober hat die zwölfköpfige Tanzgruppe, angeleitet von Tanzlehrer Christian Langer, der nach 22 Jahren ebenfalls aufhört, im Pfarrsaal von Heilig Geist ein neues Programm mit etwa zehn Tänzen einstudiert.
Höhepunkt des Münchner Faschings bleibt erhalten
Der Auftritt am Faschingsdienstag ab etwa elf Uhr wird nicht nur für das begeisterte Publikum auf dem proppenvollen Viktualienmarkt ein Highlight sein, sondern auch für die Stadt München, die die Marktweiber offiziell als „Höhepunkt des Münchner Faschings“ bezeichnet. Trotz des Abschieds der fünf legendären Standlfrauen bleibt die Tradition bestehen: Die Gruppe schrumpft zwar von zwölf auf sieben Tänzerinnen, doch neue Mitglieder sollen dazukommen, und ein neuer Tanzlehrer wird gesucht. „Natürlich ist man etwas wehmütig. Wir sind ja so lang mit Herzblut dabei“, resümiert Christl Lang, „aber wir sind auch dankbar für die vielen schönen Jahre.“ Die Zukunft des traditionsreichen Tanzes verspricht spannende Entwicklungen.



