Django Asül beim Maibockanstich: Mehr als nur Söder-Kritik im Fokus
Django Asül: Maibockanstich nicht nur Söder-Kritik

Tradition mit politischem Biss: Django Asüls 16. Maibockanstich-Rede

Am Dienstagabend findet im Münchner Hofbräuhaus wieder der traditionelle Maibockanstich statt. Zum bereits 16. Mal wird der niederbayerische Kabarettist Django Asül die programmatische Rede halten. Der 53-Jährige mit türkischen Wurzeln wechselte 2008 vom Nockherberg ins Hofbräuhaus, nachdem die Paulaner-Brauerei ihm nach einer besonders angriffslustigen Rede 2007 die Bühne verweigerte.

Vom Starkbier zur politischen Analyse

Im AZ-Interview erläutert Asül zunächst den Unterschied zwischen Maibock und Starkbier: "Von Konsistenz und Brauart her läuft das schon auch unter Starkbier. Bei Wirkungstrinkern ist das sehr beliebt, weil man mit weniger Masse auskommt." Die Tradition des Derbleckens reicht bis 1891 am Nockherberg und 1910 im Hofbräuhaus zurück. Interessant ist, dass dort bis 1980 Tierschützer einschritten – der erste Schluck ging an einen Ziegenbock, während am Nockherberg der Ministerpräsident ansticht.

Beim Maibockanstich zapft Finanzminister Albert Füracker (CSU) an, unterstützt von Michael Möller, bis voriges Jahr Direktor des Hofbräuhauses. "Das Wissen, dass ein Finanzminister ein Fass anzapft, gibt einem schon das Gefühl, dass in Bayern die Finanzen und die Lebensart in guten Händen sind", so Asül.

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Politische Themenvielfalt statt Söder-Fixierung

Auf die Frage, ob er nach 16 Auftritten noch Spaß habe, antwortet Asül entschieden: "Mehr denn je!" Der Grund: "Weil die Fakten- und Themenlage immer breiter wird. Wann hätte ich zuvor beim Maibockanstich über eine Kommunalwahl reden brauchen?" Die jüngsten Wahlen hätten bundesweit für Aufsehen gesorgt und bayerische Politik stärker nach Berlin wirken lassen.

Asül betont die wachsende politische Komplexität: "Da sieht man, dass der Maibock schon lang kein Münchner Thema mehr ist, weil sich durch die Stichwahlen auch innerhalb der bayerischen Staatsregierung atmosphärische Veränderungen ergeben haben. In Summe kann man sagen: Die Interdependenzen steigen."

Im Vergleich zu Kollege Stephan Zinner habe er mehr Stoff, was Asül auf das Timing zurückführt: "Timing ist das halbe Leben!" Die Rede werde wohl mehr rote und grüne Anteile haben, dank der Oberbürgermeisterwahl. "Es wäre ja langweilig, wenn es immer nur darum geht, was ein Markus Söder tut oder nicht tut", erklärt der Kabarettist.

Bayern-SPD und unerwartete Rollen

Die Leistung der Bundes-SPD habe auf die bayerische SPD abgefärbt: "Es ist nicht mehr so, dass ich mit der Lupe suchen muss, um die Bayern-SPD ins Spiel zu bringen. Selbst ein Dieter Reiter hat auf einmal eine Rolle gespielt, mit der er selbst nicht gerechnet hat." Am Nockherberg sei Reiter sich noch sehr sicher gewesen.

Über Söder bekomme man "fast zwangsweise mit, wenn jedes Pausenbrot gepostet wird". Im Vorjahr fehlte der Ministerpräsident wegen Koalitionsverhandlungen: "Das fiel ihm umso schwerer, weil er sich den Termin extra ausbedungen hatte. Er hat mir danach gesagt, dass er sich das noch in der Nacht in Berlin in der Mediathek gleich angeschaut und sich am nächsten Vormittag sehr wohlwollend beim Hofbräu-Direktor diesbezüglich gemeldet hat."

Internationale Bezüge und Programmgestaltung

Wer bekommt in der Rede Dresche? Asül verrät: "Kann sein, dass ich so manches Handeln des bayerischen Spitzenpersonals auf internationale Geschichten zurückführe. Wie immer habe ich viel zu viel Stoff, und es würde mich wundern, wenn ich nicht noch am Tag der Rede irgendwo was einbaue."

Im vergangenen Jahr trat Kabarettistin Kathi Wolf auf, heuer soll es laut Asül "einen gstanzlmäßigen Beitrag geben". Vorband sei falsch: "Es war der Wunsch des Veranstalters, dass man in der Zeit, wo im Saal das Bier ausgeschenkt wird und dadurch eine Lücke entsteht, diese sozusagen zu füllen." Abschließend betont er: "Ich glaube, der Finanzminister und ich haben über die Jahre bewiesen, dass wir füreinander Vor- und Nachgruppe genug sind."

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