Die 79. Filmfestspiele in Cannes haben begonnen – mit einer Mischung aus politischen Botschaften, Prominenz und einem durchwachsenen Eröffnungsfilm. Jane Fonda sorgte bei der Zeremonie für einen starken Auftritt: „Das Kino ist schon immer ein Akt des Widerstandes gewesen, weil wir Geschichten erzählen“, rief die Schauspielerin und ballte die Faust, sodass die Pailletten an ihrem schwarzen Gucci-Kleid zitterten. Moderatorin Eye Haïdara begrüßte die „Zuschauer überall“ – schränkte jedoch ein: nur dort, „wo das Internet nicht gekappt wurde, wo die künstliche Intelligenz noch nicht die Realität ersetzt hat“. Sie rief ebenfalls zum Widerstand auf. Besonders brisant: Meta ist in diesem Jahr großer Sponsor des Festivals, was Haïdaras KI-Kritik eine politische Note verlieh.
Politische Töne und Harmoniebedürfnis
Der Tenor des Eröffnungsabends war geprägt von der Betonung der verbindenden Kraft des Kinos. Jurymitglied Demi Moore sagte bei der Pressekonferenz: „Es ist einfach eine Freude, vom Kino, von der Liebe zum Kino umgeben zu sein.“ Die meisten ihrer Kollegen um Jurypräsidenten Park Chan-wook stimmten zu. Eine Ausnahme bildete der schottische Regisseur Paul Laverty, der zunächst vage von „dunklen Zeiten“ und dann konkret vom „Genozid in Gaza“ sprach – ein Thema, das sonst nicht aufgegriffen wurde. Harmonie ist in diesem Jahr an der Croisette besonders wichtig, nicht nur um Shitstorms zu vermeiden. Das Festival und die Filmbranche stehen unter Druck: Hollywood-Studios haben ihre Festivalbudgets gekürzt, und die Frage nach der Rolle der künstlichen Intelligenz in kreativen Berufen schwebt über allem. In diesem Jahrgang feiert kein einziger großer Hollywoodfilm Premiere, was sich auf die Star-Dichte auf dem roten Teppich auswirkt.
Peter Jackson als Star des Abends
Trotzdem drängten sich am Dienstag Hunderte Schaulustige um die Absperrungen, um einen Blick auf die Gäste zu erhaschen. Zwischen Touristen in Flip-Flops und Shorts staksten Frauen in Abendkleidern und Männer im Smoking. Viele waren tatsächlich zur exklusiven Eröffnung eingeladen, andere hofften auf ein Ticket-Wunder in letzter Minute und hatten sich vorsorglich in Schale geworfen. Wer wie viel Zeit auf der Treppe verbringen darf, ist in Cannes der Gradmesser für Ruhm. Der Regisseur Peter Jackson, der wie ein fröhlicher, rundlicher Onkel im Smoking wirkte, durfte minutenlang auf der Treppe verweilen und den Paparazzi winken – ein klarer Gewinner des Abends. Der Eröffnungsfilm selbst blieb dagegen schnell vergessen.



