Bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes stehen neben internationalen Stars wie Kristen Stewart, Adam Driver und Woody Harrelson auch zahlreiche deutsche Namen im Rampenlicht. Besonders hervorzuheben ist Sandra Hüller, die in dem Drama „Vaterland“ die Rolle der Erika Mann spielt. Der Film des polnischen Regisseurs Pawel Pawlikowski zeigt eine Reise der Manns durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland und wird von der Kritik gefeiert.
Deutsche Geschichte im Fokus
Mehrere Produktionen in Cannes beschäftigen sich mit deutscher Geschichte und Identität. So konkurriert „Vaterland“, ein minimalistisches Schwarz-Weiß-Drama, um die Goldene Palme. Lars Eidinger verkörpert in „Moulin“ des ungarischen Regisseurs László Nemes den Gestapo-Chef Klaus Barbie. Volker Schlöndorffs Film „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“, der außerhalb des Wettbewerbs läuft, erzählt anhand eines Hauses am See in Brandenburg die deutschen Katastrophen des 20. Jahrhunderts – von der NS-Diktatur über den Krieg bis zur DDR und den Umbrüchen nach 1989.
Schlöndorff über seine Rückkehr nach Cannes
Schlöndorff erinnert sich an seinen Erfolg mit „Die Blechtrommel“, die 1979 die Goldene Palme gewann. Die Einladung nach Cannes sei damals wie ein „Ritterschlag“ gewesen. Nun kehrt er mit einer Verfilmung von Jenny Erpenbecks Roman zurück. Der Film zeigt ein eindringliches Panorama deutscher Geschichte, das Schrecken und Verlust ebenso thematisiert wie Momente von Glück und Menschlichkeit. Besonders die Naturbilder verleihen dem Werk eine poetische Atmosphäre.
Sandra Hüller über ihre Rolle in „Vaterland“
In „Vaterland“ reist Erika Mann mit ihrem Vater Thomas Mann (Hanns Zischler) 1949 durch Deutschland. Der Roadtrip wird durch den Tod von Klaus Mann (August Diehl) überschattet. Hüller beschreibt die Szenen über die tiefe Trauer der Figuren als besonders herausfordernd. Das Magazin „Variety“ lobt ihre Darstellung und spekuliert bereits über eine Oscar-Nominierung. Bereits 2023 feierte Hüller in Cannes Erfolge mit „Anatomie eines Falls“, das die Goldene Palme gewann.
Jella Haase über europäische Vielfalt
Erstmals in Cannes ist Schauspielerin Jella Haase, die in „Gentle Monster“ von Marie Kreutzer an der Seite von Léa Seydoux und Catherine Deneuve spielt. Der Film handelt von einer Frau, die ein dunkles Geheimnis ihres Mannes entdeckt. Haase sieht die starke deutsche Präsenz als „europäisches Phänomen“ und betont die Bedeutung von Co-Produktionen. In „Gentle Monster“ wird Englisch, Französisch und Deutsch gesprochen. Sie wünscht sich, die Vielfalt in Europa noch mehr zu nutzen und zu feiern.



