Für drei Stunden und 52 Minuten war der Eurovision Song Contest (ESC) 2026 in Wien der vielleicht unpolitischste seit Jahren. Vor der Wiener Stadthalle gab es Pro-Palästina-Proteste, drinnen ein gepflegtes Musikfest. Doch dann kam das Publikumsvoting: Israel landete auf Platz eins – und plötzlich stand die Zukunft des ESC auf dem Spiel.
Ein Abend der Überraschungen
Noam Bettan, der Sänger aus Ra'anana nördlich von Tel Aviv, lag nach dem Juryvoting mit nur 123 Punkten auf dem 15. Platz. Dann aber erhielt Israel 220 Punkte vom Publikum und ging in Führung. Das veränderte alles. Zuvor hatten fünf Länder – Island, Irland, Spanien, Slowenien und die Niederlande – aus Protest gegen die Teilnahme Israels den Wettbewerb boykottiert. Ihre Abwesenheit hatte jedoch auch ihr Gutes: Auf höchster Ebene war das politische Statement gesetzt, und die moralische Notwendigkeit entfiel, im Vorfeld gegen eine Kollegin zu hetzen. Was 2025 noch zu hässlichen Zitaten und Tumult geführt hatte, blieb diesmal weitgehend vor den Toren der Stadthalle.
Die Show in der Halle
In der Halle und vor rund 170 Millionen Zuschauern weltweit führten Victoria Swarowski und Michael Ostrowski unbefangen durch einen Abend, an dem auch ESC-Verächter ihre musikalische Freude haben konnten. Die Musik, die Show und die Stimmung in Wien verdrängten die vorausgegangenen Querelen völlig. Bis zum Publikumsvoting.
Die Folgen des Votings
Mit dem Sieg Israels durch das Publikumsvoting steht der ESC vor einer Zerreißprobe. Die Proteste vor der Halle und die Boykotte einiger Länder zeigen, wie politisch der Wettbewerb geworden ist. Die ESC-Verantwortlichen halten den Atem an – die Zukunft des Events ist ungewiss.



