Kritik: 'Ein fast perfekter Antrag' - Iris Berben und Heiner Lauterbach in romantischer Alterskomödie
Nochmal zur Sache, Schätzchen: Marc Rothemunds neuer Film Ein fast perfekter Antrag mit Iris Berben und Heiner Lauterbach beweist, dass romantische Komödien auch jenseits der 65 funktionieren. Die Produktion spricht bewusst sowohl die Generation Z als auch die sogenannten Very Best Ager an und bietet sogar Boomern reichlich Grund zum Schmunzeln.
Die ungleichen Hauptfiguren
Heiner Lauterbach verkörpert den pensionierten Walter Adler, einen pedantischen Alleinstehenden, der seine Komfortzone als Altherr verlassen muss. Seine Schrullen – etwa die Abneigung gegen das allgemeine Duzen oder seine Kritik an übermäßigem Englischgebrauch – werden mit sanfter Ironie präsentiert. Trotz seiner Eigenschaften als alter weißer Mann gelingt es Lauterbach, dass das Publikum diesen Charakter ins Herz schließt.
Iris Berben spielt die Gegenfigur Alice Olsen, eine kunstbegeisterte Professorin, die durch den ständigen Kontakt mit Studierenden stets am Puls der Zeit bleibt. Als 68er-sozialisierte, ungebundene Frau stellt sie den perfekten Kontrast zu Adlers konservativer Welt dar. Die Rolle passt so ideal zu Berben, als wäre sie speziell für sie geschrieben worden.
Handlung und Setting
Die Handlung führt die beiden Protagonisten nach Jahrzehnten wieder zusammen, nachdem ein Antrag in Studententagen an unterschiedlichen Lebensentwürfen gescheitert war. Das wunderschön in Szene gesetzte Regensburg dient als romantische Kulisse für die sich entwickelnde Liebesgeschichte, während Wien als Kunststadt den katalysatorischen Ort für ihre Wiederbegegnung bietet.
Regisseur Marc Rothemund wagt sich sogar an erotische Elemente, ohne dabei peinlich zu wirken. Die kunsthistorischen Diskussionen über Nacktheit in der Renaissance oder die Darstellung von Frauen in der Malerei bieten intelligenten Zündstoff für die Auseinandersetzung zwischen Alt-Macho und Alt-Feministin.
Stil und Humor
Der Film bezieht seine Stärken maßgeblich aus der herausragenden Schauspielkunst von Berben und Lauterbach. Die beiden spielen den Loriot-haften Witz des Drehbuchs von Richard Kropf natürlich und überzeugend aus. Selbst wenn Gegensätze sich anziehen – und sich dabei auch ausziehen – bleibt die Glaubwürdigkeit erhalten.
Rothemund bereichert die Handlung mit klassischen Typen-Elementen:
- Hundeliebe aus Menschenfeindlichkeit
- Abwesende Kinder mit Auslandskarrieren
- Konfrontationen des Konservativen mit Transpersonen
- Alkohol als Schmierstoff für Rock’n’roll-Erinnerungen
All diese Elemente fügen sich mühelos – wenn auch etwas zu glatt – in die Erzählung ein.
Einordnung ins deutsche Kino
Ein fast perfekter Antrag reiht sich selbstbewusst in die aktuelle Entwicklung der deutschen Filmkomödie ein. Zwar sind Produktionen wie Simon Verhoevens Diese Lücke, diese entsetzliche Lücke gewagter oder die Extrawurst schenkelklopfender, doch Rothemunds Werk stellt eine gelungene Ausnahme dar.
Als RomCom 65-plus bietet der Film nicht nur Unterhaltung für ältere Zuschauer. Auch Studierende der Generation Z können hier etwas über das Leben der Very-Best-Ager lernen, während Boomern in beide Richtungen das Lächeln nicht vergeht. Mit 100 Minuten Laufzeit und der bayerischen Filmförderung im Rücken ist Ein fast perfekter Antrag tatsächlich ein fast perfektes Filmvergnügen.



