Kritik an Emerald Fennells 'Wuthering Heights': Eine grelle, oberflächliche Liebesgeschichte
Kritik: Fennells 'Wuthering Heights' ist grell und oberflächlich

Eine stürmische, aber oberflächliche Adaption

Die Vorfreude auf Emerald Fennells neue Verfilmung von Emily Brontës Roman „Wuthering Heights“ hat zumindest einen positiven Effekt gehabt: Der Verlag Penguin Classics verzeichnete im Januar eine Verfünffachung der durchschnittlichen Verkaufszahlen des literarischen Klassikers aus dem Jahr 1847. Damit erreicht der Roman ein neues Publikum, das sich jedoch nach der Lektüre im Kino möglicherweise die Augen reiben wird.

Ein radikaler künstlerischer Ansatz

Fennell hat bewusst auf eine werktreue Adaption verzichtet, was bei einem so häufig verfilmten Roman nicht ungewöhnlich ist. Ihr Ziel war es, eine Welt zu erschaffen, die sich anfühlt wie die erste Begegnung eines Teenagermädchens mit einem großen Kunstwerk – ein emotionales Erlebnis. Damit ist die Zielgruppe klar umrissen: Anglisten gehören sicher nicht dazu.

Schon die Inszenierung des Wohnsitzes der Familie Earnshow zeigt Fennells Vorliebe für Übertreibung. Statt einer bescheidenen Bauernkate präsentiert sie eine fast gotische Trutzburg, die dramatisch am Hochmoor thront. Die Geschichte beginnt mit dem grobschlächtigen, gewalttätigen Vater, der seiner Tochter Cathy einen stummen Straßenjungen als „Haustier“ mitbringt. Sie tauft ihn Heathcliff, und zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Seelenverwandtschaft.

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Probleme bei der Besetzung und Figurenentwicklung

Die größten Schwierigkeiten beginnen, wenn die Kinderdarsteller von den erwachsenen Stars abgelöst werden. Margot Robbie, Mitte 30, soll die gerade erst ihre Sexualität entdeckende Teenagerin Cathy verkörpern – eine Herausforderung, die auch durch eine explizite Selbstbefriedigungsszene zwischen den Felsen der Küstenlandschaft nicht überzeugend gelöst wird. Jacob Elordi als Heathcliff bleibt in seiner Darstellung oft eindimensional.

Die Handlung folgt den bekannten Stationen: Nachdem Heathcliff hört, dass Cathy ihn wegen seines niedrigen Status nicht heiraten kann, verlässt er Wuthering Heights. Der Vater verspielt das Anwesen, und Cathy heiratet den wohlhabenden, aber ungeliebten Nachbarn Edgar Linton, gespielt von Shazad Latif. In ihrer neuen Umgebung, dem goldenen Käfig von Edgars Anwesen, leiht sich Fennell stark die Bildsprache und Kostüme von Sofia Coppolas „Marie Antoinette“.

Visuelle Überladung und mangelnde Tiefe

Wenn Heathcliff als reicher Mann zurückkehrt und das Rachedrama beginnt, setzt Fennell auf eine überwältigende visuelle Inszenierung: Popballaden von Charli XCX, die wilde Landschaft Yorkshires, dramatische Sonnenuntergänge, verzweifelte Küsse und sintflutartigen Regen. Der Film erinnert phasenweise an ein überteuertes Musikvideo und leidet darunter, dass die Regisseurin mehr Wert auf grelle Effekte als auf psychologische Figurenentwicklung legt.

Obwohl der Film mit sexueller Symbolik aufgeladen ist, bleibt er optisch prüde und würde selbst im amerikanischen Nachkriegskino kaum anecken. Die großen Gefühle, die Brontës Roman auszeichnen, bleiben auf dieser Sturmhöhe vor allem eine große Behauptung. Emerald Fennells „Wuthering Heights“ ist eine grelle, oberflächliche Adaption, die zwar visuell beeindruckt, aber die emotionale Tiefe des Originals vermissen lässt.

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