Trump sucht Freunde? Nichts wie weg! – Die Lage am Abend
Trump sucht Freunde? Nichts wie weg!

Trump sucht Freunde? Nichts wie weg!

Von Stefan Kuzmany

Die drei Fragezeichen heute: Grönland – Versucht es Trump jetzt mit freundlicher Erpressung? Patrick Schnieder – Wie ernst nimmt der Verkehrsminister den eigenen Fahrplan? Ebola-Ausbruch – Haben sich mehr Menschen infiziert als bisher bekannt?

1. Der will doch bestimmt nur mal schauen

„Finde so viele Freunde, wie du nur kannst“, habe Donald Trump ihm aufgetragen, sagte Jeff Landry nach seiner Ankunft in Grönland dem dänischen Fernsehsender DR. Das klingt nett und harmlos, genau wie die Beteuerung des US-Sondergesandten, er sei „nur hier, um Beziehungen aufzubauen, zuzuhören, zu lernen und zu sehen, ob es Möglichkeiten gibt, die Beziehungen zwischen den USA, Grönland und Dänemark auszubauen“. Tatsächlich kennt die Welt Trump und seine Methoden mittlerweile gut genug, um zu wissen: Nett und harmlos ist hier nichts, und Landrys Besuch ist keine freundschaftliche Visite, sondern eher vergleichbar mit dem Auftritt eines Muskelmanns in einem Tante-Emma-Laden, der das Inventar bewundernd fallen lässt: „Wäre ein Jammer, wenn das hier alles zu Bruch ginge.“ Der US-Präsident hat seine Gier nach Grönland keineswegs aufgegeben, so scheint es. Nach wie vor will Trump die militärische Präsenz der USA auf der Insel stark erhöhen und diese für einen unbegrenzten Zeitraum erhalten. Er will den Erstzugriff auf die unter dem Eis verborgenen Bodenschätze Grönlands. Und er will ein Vetorecht gegen mögliche andere Investoren wie Russland oder China. Kurz: Trump will Kontrolle über Grönland. Der einzige erkennbare Unterschied zu den Annexionsphantasien, die der US-Präsident Anfang des Jahres geäußert hatte, liegt in der Methode: Er erhebt seine Forderungen jetzt nicht mehr mit polternden Drohungen, sondern schickt stattdessen einen säuselnden Emissär.

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2. Verkehrswende auf dem Abstellgleis

Der kleine Bruder hat sein großes Ziel erreicht, beim großen Bruder darf man daran zweifeln, ob er ein verpasstes Ziel überhaupt jemals angestrebt hat: In Mainz ist Gordon Schnieder heute zum Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz gewählt worden, zum ersten Landeschef seit 35 Jahren, der von der CDU gestellt wird. Und in Berlin geht der Bundesrechnungshof hart ins Gericht mit Patrick Schnieder, Gordons älterem Bruder, Parteifreund und Bundesverkehrsminister: Dieser habe keinen überzeugenden Plan, um seine eigenen Vorgaben für die Verkehrswende zu erreichen. Das „Verlagern von Verkehr auf Schiene und Wasserstraße gelingt dem BMV nicht“, heißt es in einem Papier der Rechnungsprüfer. Eigentlich hatte sich das Bundesverkehrsministerium viel vorgenommen: Bis zum Jahr 2030, so der Masterplan, soll ein Viertel des gesamten Güterverkehrs auf Schienen abgewickelt werden und zwölf Prozent auf Wasserstraßen. Der Personenverkehr auf der Schiene soll sich im selben Zeitraum verdoppeln. Allerdings tut das Ministerium offenbar viel zu wenig dafür, diese Werte zu erreichen. Die Opposition reagiert erwartungsgemäß kritisch („ziellose Gleichgültigkeit!“, „krachend gescheitert!“). Verwundern kann der Vorgang dabei eigentlich nur Menschen, die nicht mitbekommen haben, wie sich die CDU in Wahlkämpfen als Autofahrer- und Verbrennerpartei inszeniert, aktuell etwa gerade in Berlin. Da ist es eigentlich nur folgerichtig, dass sich Patrick Schnieder für den Schienenverkehr ungefähr so einsetzt wie seine Kabinettskollegin Katherina Reiche für den Klimaschutz: mehr rhetorisch als real.

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3. Alles andere als Entwarnung

Hierzulande drohe zwar keine Gefahr, sagt Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Dennoch sind die Nachrichten über den Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo besorgniserregend – und das nicht nur, weil uns allen noch die Schrecken der Coronapandemie in den Knochen stecken und uns erst jüngst der Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff in Aufregung versetzt hat. Meine Kollegin Alina Schadwinkel analysiert, was über den neuen Ebola-Ausbruch bekannt ist – und zeigt drei Gründe auf, diesen sehr ernst zu nehmen: Er dürfte wohl größer und weiter verbreitet sein als bisher bekannt. Darauf lassen verdächtige Häufungen von Todesfällen in der jüngsten Vergangenheit schließen. Es haben sich auch Beschäftigte im Gesundheitswesen mit dem Ebolavirus infiziert. Dies könne auf unerkannte Übertragungen in Behandlungseinrichtungen hinweisen. Und schließlich gibt es bisher weder zugelassene Impfstoffe noch Behandlungen gegen den seltenen Virustyp Bundibugyo.

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Iran reagiert auf US-Vorschlag zu möglichem Kriegsende: Die USA und Iran lassen durch Pakistan ihre Vorschläge zu einem möglichen Kriegsende überbringen. Teheran übt offenbar Kritik an den amerikanischen Forderungen. Donald Trump klingt da ganz anders.
  • Deutschland erstmals seit 2023 wieder Strom-Nettoexporteur: Deutschland hat im ersten Quartal wieder mehr Strom ins Ausland verkauft. Und erneuerbare Energien spielen dabei eine große Rolle.
  • KI-Unternehmen Anthropic informiert offenbar Bankenaufsicht über neue Risiken: Mit seinem nächsten KI-Modell sorgt Anthropic bereits seit Wochen für Schlagzeilen. Nun soll das US-Unternehmen wohl die Bankenaufsicht über die Möglichkeiten und Risiken seiner Software briefen.
  • Kind auf Parkplatz überfahren, 18-Jähriger wegen Mordes verurteilt: Ein Zwölfjähriger wurde auf dem Parkplatz eines Supermarkts getötet. Im Prozess spricht die Verteidigung von einem Fahrfehler des Angeklagten. Doch für das Gericht war es Mord.

Meine Lieblingsgeschichte heute: Aus der Provinz in die Bundesliga

Was bisher allgemein über Elversberg, Heimat des jüngsten Zugangs zur Fußball-Bundesliga der Herren, bekannt ist, weil es in keinem Bericht fehlt: Der Ort ist so klein, es gibt dort nicht einmal einen Bahnhof. Mein Kollege Marco Fuchs weiß allerdings mehr – er beschreibt das Erfolgsgeheimnis der Spielvereinigung Elversberg, die nun den Aufstieg geschafft hat: Die relative Abgeschiedenheit, in der sich Talente in Ruhe entwickeln konnten. Die Kontinuität der Strategie über viele Jahre, die sich auch nach schmerzhaften Abgängen nicht änderte. Und ein Hauptsponsor und sein Sohn, die sich bei einem gemeinsamen Bier ein ehrgeiziges Ziel gesetzt hatten.

Was heute weniger wichtig ist

Steuer herumgerissen: Nach einem jahrelangen Rechtsstreit ist die kolumbianische Popsängerin Shakira, 49, vom Vorwurf des Steuerbetrugs freigesprochen worden. Sie bekommt nun 55 Millionen Euro vom spanischen Finanzamt zurück – und kann endlich wieder ruhig schlafen.

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Und heute Abend?

… blättere ich vielleicht mal wieder in einem der alten Panini-Alben, in die ich als Kind (und ich gebe es zu: auch später als Vater eines daran nur mäßig interessierten Jungen) mit großer Freude die Bilder von Fußballspielern eingeklebt habe. Die Klebebildchentüten waren zwar verlässliche Taschengeldkiller und enthielten dazu sowieso meistens nur Aufkleber, die ich schon hatte. Aber trotzdem macht mich der Niedergang der Firma Panini nicht froh. Einen schönen Abend. Herzlich Ihr Stefan Kuzmany, Autor in der Chefredaktion