Auf Schalke brodelt es kurz vor dem Saisonfinale. Ex-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies (69) hat auf eine umstrittene Forderung reagiert, die ihm und anderen einen Maulkorb verpassen soll. Der Verein hatte am Mittwoch die Einladungen zur jährlichen Mitgliederversammlung am 18. Juli verschickt. Darin enthalten: mehrere Anträge auf Satzungsänderungen. Besonders brisant ist der erste Antrag.
Vier Aufsichtsräte fordern Redeverbot für Ehrenpräsidium
Die aktiven Aufsichtsräte Sven Kirstein, Pascal Krusch, Michael Riedmüller und Johannes Struckmeier beantragen eine Änderung der Satzung zum Thema „Ehrenpräsidium“. Das Ehrenpräsidium hat nur repräsentative Aufgaben und keinerlei Entscheidungsbefugnis. Der entscheidende Passus lautet: „Das Ehrenpräsidium sowie seine Mitglieder äußern sich nicht öffentlich zu operativen Themen oder internen Vereinsangelegenheiten.“ In einer Fußnote empfiehlt der Gesamt-Aufsichtsrat, dieser Änderung zuzustimmen.
Konkret bedeutet das: Mitglieder des Ehrenpräsidiums wären verpflichtet, zu Schalke-Themen komplett zu schweigen. Sie dürften ihre Meinung nicht mehr offen äußern – ein Maulkorb auf Lebenszeit, denn die Mitgliedschaft im Ehrenpräsidium endet normalerweise erst mit dem Tod.
Machtspielchen um Tönnies und Stevens
Hintergrund der Attacke auf die freie Meinungsäußerung ist offenbar die bevorstehende Wahl von Clemens Tönnies und Jahrhunderttrainer Huub Stevens (69) ins Ehrenpräsidium. Beide sind bei den Ultras unbeliebt. Sollten sie gewählt werden, dürften sie nie wieder in Interviews, im TV oder bei Veranstaltungen ihre Meinung zu Schalke äußern. Ziel der Antragsteller, die den Ultras nahestehen, scheint es zu sein, Tönnies und Stevens zum Verzicht auf die Kandidatur zu bewegen.
Tönnies reagiert: „Ich verstehe dieses Vorgehen nicht“
Jetzt hat sich Tönnies zu Wort gemeldet. Der Unternehmer sagte gegenüber BILD: „Ich bin immer für den gemeinsamen Erfolg und verstehe dieses Vorgehen nicht!“ Er dürfte mit dieser Meinung nicht allein dastehen. Trotz des Drucks wollen Tönnies und Stevens nach BILD-Informationen nicht auf die Kandidatur verzichten. Die Mitgliederversammlung verspricht spannend zu werden.
Schalke kassiert weiter Tönnies-Geld
Kurios: Nur Stunden nach Versand der Einladungen ließ sich Schalke in einer offiziellen Mitteilung für die Verlängerung des Sponsorenvertrags mit „Böklunder“ um drei Jahre feiern. Die Wurstmarke gehört zur Unternehmensfamilie von Tönnies. Das Geld von Tönnies ist für Schalke offenbar noch gut genug.



