Benjamin Hujawa fiebert dem Filmkunstfest Schwerin entgegen. Vom 5. bis 8. Mai 2026 wird sein Kurzfilm „Trophäe“ im Rahmen des 35. Festivals gezeigt. Der 35-jährige Rostocker erinnert sich: „Wenn meine Eltern mich früher privat filmten, ist angeblich immer das Gleiche passiert. Früher oder später rief ich: ‚Papa, darf ich mal die Kamera haben?‘“ Diese Anekdote zeigt, dass er schon immer Geschichten in Bildern erzählen wollte. Heute verdient er als Regisseur und Produzent seinen Lebensunterhalt damit.
Vom Dorfkind zum Filmemacher
Aufgewachsen in einem Dorf östlich von Rostock, sah Hujawa als Kind unzählige Hollywoodfilme auf Videokassette – von Indiana Jones bis Jurassic Park. Als Teenager drehte er mit seinem besten Freund Sketche. „Meine Eltern mussten sich das alles angucken“, erzählt er lachend. Nach dem Abitur 2009 am Richard-Wossidlo-Gymnasium in Ribnitz-Damgarten bewarb er sich an Schauspielschulen, spürte aber, dass das nicht seine Bühne ist. Ein Frustmoment in Leipzig bestärkte ihn: „In der ersten Runde wurde ich hoch gelobt, in der zweiten für die gleiche Darbietung gnadenlos auseinandergenommen.“
Stattdessen absolvierte er ein Freiwilliges Soziales Jahr im Kulturbereich beim Lokalradio LOHRO in Rostock. Er moderierte und machte Beiträge – das machte ihm so viel Spaß, dass er eine Ausbildung zum Cross-Media-Redakteur am Institut für neue Medien in Rostock begann. 2012 zog es ihn nach Berlin, der Medienhauptstadt.
Berliner Jahre und Rückkehr nach MV
In Berlin erlebte Hujawa die harte Konkurrenz der Kreativbranche. „Es ist nicht leicht, dort einen Fuß in die Tür zu kriegen“, resümiert er. Die zwei Jahre in der Millionenmetropole will er nicht missen, aber er erkannte, dass man dort nur ein Mosaikstein ist. Ende 2014 kehrte er nach Mecklenburg-Vorpommern zurück und studierte an der Uni Rostock Kommunikations- und Medienwissenschaft sowie Anglistik. Parallel engagierte er sich in der Kurzfilmwerkstatt der Hochschule für Musik und Theater, um endlich eigene Filme zu produzieren. Sein Film „Widerstand“ (2019), in dem eine Oma an Weihnachten die AfD verteidigt, fand auf Festivals große Beachtung.
Ein weiteres wichtiges Projekt ist die Kurzdoku „Aus der Ferne“ über vietnamesische Gastarbeiter in der DDR, die er mit Hoang Quynh Nguyen drehte. Der Film lief 2025 auf zahlreichen Festivals und wurde in Schwerin gefeiert. Aktuell entsteht darauf aufbauend ein Dokumentar-Langfilm.
„Trophäe“: Ein Film über Männlichkeit und Vaterrolle
Im Fokus steht nun der knapp zwölfminütige Kurzfilm „Trophäe“, bei dem Hujawa Drehbuch, Regie und Produktion (flüsterfilm) verantwortet. Der Film fragt: Wie wird ein Junge zum Mann? Und welche Rolle spielt der Vater dabei? „Seinen ganz persönlichen Weg zu finden – das ist die Herausforderung“, erklärt Hujawa. Die Hauptfigur Max (Jakob Garde) kommt in die 9. Klasse und ist verknallt. Sein Vater Guido (David Bredin) will ihm bei Frauen helfen – eine Szene an der Warnow endet dramatisch. Julia Keiling, Schauspielerin am Mecklenburgischen Staatstheater, und ihre Tochter Lotte spielen ebenfalls mit.
Netzwerk in MV: Familiärer als in Berlin
Julia Keiling kannte Hujawa vor dem Projekt nicht, aber in der überschaubaren Filmszene Mecklenburg-Vorpommerns unterstützt man sich gegenseitig. „Ein gutes Netzwerk zu haben, ist in unserer Branche unheimlich wichtig. In Berlin empfand ich das als fordernd und nervend. Bei uns in MV geht es familiärer zu – das schätze ich sehr“, sagt Hujawa.



