Neubrandenburg – Zum dritten Mal lädt Daniel Geiss mit der Neubrandenburger Philharmonie zur ZukunftsMusik ein. Frank Wilhelm sprach mit dem Dirigenten über das bevorstehende Konzert unter dem Motto Wasser, das am 29. Mai um 19 Uhr in der Konzertkirche stattfindet.
Warum Wasser?
Herr Geiss, das dritte Konzert in der Reihe ZukunftsMusik steht unter dem Motto Wasser. Angesichts der Unmengen an Musikstücken zum Thema Wasser ist es Ihnen bestimmt schwergefallen, sich für drei entscheiden zu müssen. „Das ist auf jeden Fall richtig. Mit dem Projekt wollen wir nicht nur die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit ansprechen, sondern es auch jedermann ermöglichen, den Schritt in die Konzertkirche zum klassischen Konzert zu machen, ohne dass die Hürde zu groß ist. Deswegen haben wir mit der Moldau und der Wassermusik von Georg Friedrich Händel zwei bekannte Highlights der klassischen Musik ausgesucht“, erklärt Geiss.
Schüler und Künstler im Rampenlicht
Sie wollen mit der ZukunftsMusik möglichst viele Bürger mitnehmen, insbesondere auch Schüler. Was erwartet das Publikum dieses Mal? „Ich glaube, wir haben uns gegenüber den vergangenen beiden Jahren noch einmal steigern können. Dieses Mal ist das Albert-Einstein-Gymnasium neu mit dabei. Schüler des AEG sprechen einen Poetry-Slam-Text auf eine rhythmische Tanzfigur von Händel. Außerdem ist die Jugendtheatergruppe der Jugendkunstschule ‚Junge Künste‘ aus Neubrandenburg mit von der Partie“, so Geiss.
Wer wissen will, wie die Neubrandenburger Philharmonie in der Konzertkirche klingt, bekommt einen Eindruck im Video. Im vergangenen Jahr sorgte das Interview einer Schülerin mit dem Wetterfrosch Stefan Kreibohm für Unterhaltung. Wird es dieses Mal ein ähnliches Format geben? „Ja, Schüler des AEG werden den stellvertretenden Oberbürgermeister Neubrandenburgs, Peter Modemann, und den Geschäftsführer der Stadtwerke, Ingo Meyer, zum Thema Wasser befragen. Die Schüler entscheiden selbst, welche Fragen sie stellen. Alles wird total live abgefragt“, antwortet Geiss.
Tanz und Musik
Junge Sänger und Tänzer sind auch wieder dabei? „Ja, der Kinderchor der Gesamtschule ‚Vier Tore‘ macht mit. Zudem wieder 80 junge Damen zwischen fünf und achtzehn Jahren von der Neubrandenburger Tanzaktion, die drei tolle Choreografien entwickelt hat. Ich habe die Tänze schon mehrfach gesehen und bin bereits jetzt begeistert. Dieses Mal werden sie nicht nur auf der Orgelempore tanzen, sondern auch auf der großen Bühne“, sagt Geiss.
Nachhaltigkeit vor der Haustür
Zum Start der ZukunftsMusik stand die Schöpfung im Mittelpunkt, vor einem Jahr der Frühling, dieses Mal das Wasser. Wo sehen Sie das Bindeglied? „Ich finde, dass die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz extrem wichtig sind. Allerdings werden sie in der Regel global behandelt. Das ermöglicht einem natürlich relativ leicht, sich den Problemen zu entziehen. Beispielsweise in dem man meint, was geht mich der immer kleiner werdende Urwald an, der ist doch so weit weg. Wir holen die Themen vor die Haustür, werden mit Blick auf die persönliche Betroffenheit konkret. In diesem Projekt geht es wirklich um Umwelt und Nachhaltigkeit in Neubrandenburg und Umgebung“, betont Geiss.
Wachstum des Projekts
Wie ist das Projekt ZukunftsMusik in den vergangenen zwei Jahren gewachsen? „Bei der ‚Schöpfung‘ zum Start waren vielleicht 20, 25 junge Leute dabei. Im vergangenen Jahr waren es etwa 70. Und dieses Mal sind es schon mehr als 100 Beteiligte, die mit uns auf der Bühne stehen. Ich freue mich, dass auch Emil Reich erneut mitmacht und wieder ein Video drehen wird. Hinzu kommen weitere Beteiligte, die Bilder, Modelle und Texte zum Thema produziert haben, die am Abend in der Konzertkirche zu sehen sein werden“, so Geiss.
Reaktion der Musiker
Mit der ZukunftsMusik, aber auch mit dem KlangLabor, das in diesem Jahr ebenfalls zum dritten Mal stattfand, verlassen Sie den traditionellen Rahmen klassischer Konzerte. Wie reagieren die Musiker der Neubrandenburger Philharmonie darauf? „Im ersten Jahr habe ich mich mehrfach vor das Orchester gestellt und das KlangLabor erklärt. Dennoch war es zunächst für einige schwierig, sich vorzustellen, wie das Projekt dann in der Realität aussehen würde. Dieses Jahr musste ich gar nichts mehr sagen. Ich glaube, die Musiker lieben diese Projekte mittlerweile auch“, erklärt Geiss.
Wie kam es zu dem Sinneswandel? „Ich habe das Gefühl, dass die Musiker verstehen, dass das KlangLabor und die ZukunftsMusik zentrale Projekte der Spielzeit sind, mit denen man wirklich sehr viele Leute erreicht, die sonst eher keine klassischen Konzerte besuchen würden. Das KlangLabor war dieses Jahr so gut verkauft wie noch nie. Und zwei Drittel der Besucher waren Schulkinder. Da sind viele, viele junge Leute dabei, die ihre Klassenkameraden auf der Bühne sehen wollen“, so Geiss.
Zeitrahmen und Ausblick
Angesichts des von Ihnen geschilderten reichhaltigen Programms kann ich mir vorstellen, dass die geplante Zeit immer überschritten wird, oder? „Zu viel überziehen will ich nicht. Ich habe sehr darauf geachtet, dass das Ganze in einem guten Rahmen bleibt. Ich denke, dass sich die Dauer im Rahmen eines normalen Konzerts bewegen wird“, antwortet Geiss.
Aller guten Dinge sind drei: Aber wenn ich Sie so schwärmen höre, glaube ich, dass es nächstes Jahr auch wieder eine ZukunftsMusik geben wird, oder? „Auf jeden Fall kann ich schon so viel verraten, dass es 2027 um das Thema Wald gehen wird“, verrät Geiss.
Gewinnspiel
Besucher des Konzerts können an einem Gewinnspiel teilnehmen. Passend zum Thema Wasser gibt es als Preis drei Nächte auf einem Hausboot auf der Moldau für bis zu sechs bis acht Personen zu gewinnen. Der Preis wurde von der Firma Kuhnle-Tours zur Verfügung gestellt. „Dafür bedankt sich die Philharmonie herzlich“, sagt Konzertdramaturgin Anke Völker-Zabka.
Saisonfinale
Die Neubrandenburger Philharmonie steht vor dem Saisonfinale, das noch einmal stressig zu werden verspricht: Unter anderem starten die Proben für die Open-Air-Festspiele in Neustrelitz mit der Csárdásfürstin, zugleich müssen Sie sich auf das Festkonzert zum 75. Geburtstag der Philharmonie und dem 25. Geburtstag der Konzertkirche vorbereiten. Das klingt nach viel Arbeit. „Ja, das wird eine große Herausforderung. Ich glaube, wir sind alle auch wirklich in großer Vorfreude. Aus verschiedensten Gründen: Mahlers 2. Sinfonie ist einfach ein unglaublich tolles Stück. Schön ist, dass es zusätzlich zum Konzert im Haus eine Leinwandübertragung nach draußen geben wird, ein erstmaliger Versuch. So können die Leute das Konzert erleben und zugleich picknicken“, so Geiss.
Am darauffolgenden Abend spielt die Philharmonie das gleiche Konzert in der Frauenkirche Dresden, wo sie mit zwei anderen Chören aus der Elbmetropole auftritt. Wann bleibt denn da noch Zeit zum Proben? „Ich fahre vorher nach Dresden, um mit den Chören zu proben. Das Orchester bricht am Morgen des 17. Juli auf. Aber das ist positiver Stress für uns alle. Es ist eine unglaubliche Ehre, in der Frauenkirche, in dieser gigantischen Kulisse auftreten zu dürfen. Ich habe dort schon einmal dirigiert, für die Philharmonie ist das Konzert eine Premiere“, erklärt Geiss.
Konzertdetails
Nach den Themen Schöpfung und Frühling geht es bei der dritten Auflage der ZukunftsMusik am 29. Mai ab 19 Uhr um das Thema Wasser. Neben der Neubrandenburger Philharmonie gibt es viele weitere Mitwirkende, unter anderem Schüler des AEG, Tänzerinnen der Tanzaktion sowie eine Jugendtheatergruppe.
Generalmusikdirektor Daniel Geiss erklärt zum Konzept: „Wir möchten einladen, Händels ‚Wassermusik‘, die berühmte ‚Moldau‘ von Bedrich Smetana und Claude Debussys ‚La Mer‘ nicht bloß zu hören und gefühlsmäßig zu erfassen, sondern die Musik auch visuell zu erleben.“
Karten für das Konzert gibt es im Nordkurier-Medienhaus, beim Ticketservice im HKB, im Schauspielhaus Neubrandenburg sowie übers Internet unter tog.de.



