Der Eurovision Song Contest (ESC) 2026 steht vor der Tür. Für Fans zählen große Emotionen, mitreißende Songs und eine spektakuläre Bühnenshow. Hinter dem glitzernden Wettbewerb verbirgt sich jedoch ein komplexes Regelwerk, das für ein faires Voting und Transparenz sorgt. Wer den Wettbewerb nicht nur verfolgen, sondern auch selbst abstimmen möchte, sollte die wichtigsten Regeln kennen.
Die Regeln des Eurovision Song Contest
Was in den Anfangsjahren eine überschaubare To-do-Liste war, ist im Laufe der Zeit zu einem umfangreichen Regelkatalog angewachsen. Der Veranstalter legt großen Wert auf die Einhaltung der Regeln. Ein Verstoß kann zur Disqualifikation führen. So wurde beispielsweise 2021 die Teilnahme der belarussischen Gruppe Galasy ZMesta mit dem Song „Ya nauchu tebya“ abgelehnt, da der Song gegen die nichtpolitische Einstellung des ESC verstieß.
Nach der aktuellen Fassung der ESC-Regeln gelten für alle Interpreten folgende Bestimmungen:
- Die Interpreten müssen mindestens 16 Jahre alt sein.
- Jeder Interpret darf in einem Jahr nur für ein Land antreten.
- Auf der Bühne dürfen höchstens sechs Personen mitwirken.
- Das Lied muss live gesungen werden, mit Ausnahme des Begleitgesangs.
- Weder Lied noch Auftritt dürfen eine politische Botschaft enthalten oder dem Image des Wettbewerbs schaden.
- Fluchen und Werbung sind in Lied und Auftritt nicht erlaubt.
- Beim Auftritt dürfen keine Tiere mitwirken.
- Die Lieder dürfen frühestens am 1. September des Vorjahres veröffentlicht werden (diese Regel gilt seit dem 1. September 2010).
- Es muss sich um einen Originalsong handeln, keine Coverversion eines älteren Liedes.
- Die Länge des Beitrags darf maximal drei Minuten betragen.
- Die Instrumental-Musik wird als Playback eingespielt.
Weitere Regeln für die Teilnahme sind unter anderem:
- Garantierte Teilnehmer („Big Five“) sind die fünf Hauptgeldgeber der EBU (Europäische Rundfunkunion) sowie der Titelverteidiger, der in der Regel auch der Gastgeber ist.
- Zu den „Big Five“ gehören Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien (seit 2011).
- Es gibt zwei Halbfinale, wobei jeweils die Top-10 ins Finale kommen.
- Weder im Halbfinale noch im Finale kann für das eigene Land gestimmt werden.
- Beim ESC gilt politische Neutralität, da die Show und vor allem der Zusammenhalt der Staaten im Vordergrund stehen.
- Der Song darf vorher nicht über kommerzielle Plattformen oder soziale Medien weit verbreitet worden sein.
- Die Vortragssprache kann frei gewählt werden.
- Es werden nationale Punkte vergeben, eine Kombination aus Jury- und Televoting.
So werden die Finalisten ermittelt
In zwei Halbfinalshows treten die Acts gegeneinander an. Jury- und Publikumsstimmen entscheiden darüber, wer ins Finale einzieht – jeweils zehn Acts aus dem ersten und zehn aus dem zweiten Halbfinale. Seit 2023 können außerdem erstmals auch Fans abstimmen, deren Länder nicht am ESC teilnehmen. Dafür gibt es ein kostenpflichtiges Online-Voting. Alle Stimmen werden zusammengezählt und während der Sendung bekannt gegeben. Sie werden genauso gewertet wie die Stimmen eines Teilnehmerlandes.
So funktioniert die Punktevergabe beim ESC
Im Finale des ESC vergeben sowohl die nationalen Jurys als auch das Publikum Punkte an ihre Lieblingssongs. Jedes teilnehmende Land verteilt dabei zweimal die Punkte 1 bis 8, 10 und 12 – einmal durch eine Fachjury und einmal durch das Zuschauervoting. Das Voting-System wurde in der Geschichte des ESC mehrfach verändert und ist immer komplizierter geworden.
Zunächst werden in der Liveshow die Jurywertungen aller Länder bekanntgegeben. Anschließend folgen die zusammengefassten Publikumsstimmen: Die Punkte aus dem Televoting werden von der niedrigsten bis zur höchsten Gesamtwertung vergeben und können das Ranking noch komplett verändern. Das Land mit den meisten Punkten aus Jury- und Zuschauervoting gewinnt schließlich den Eurovision Song Contest.
Warum kommt Deutschland automatisch ins Finale?
In der Geschichte des ESC gab es bereits einige Fauxpas, die zu Regeländerungen führten. So auch 1996: In diesem Jahr scheiterte der deutsche Beitrag „Planet of The Blue“ an einer internen Qualifikationsrunde. Deutschland konnte plötzlich gar nicht mehr am ESC-Finale teilnehmen. Ein Jahr später wurde die Big-Four-Regelung geschaffen. Diese besagt, dass Deutschland, Frankreich, Spanien und das Vereinigte Königreich automatisch qualifiziert sind, da sie nicht nur die Hauptgeldgeber sind, sondern auch für die höchsten Zuschauerquoten sorgen. Seit dem ESC in Düsseldorf 2011 gilt diese Regel auch für Italien und heißt seitdem „Big Five“.



