Konfetti-Verbot in der Fastnacht: Tradition versus Umweltschutz im Südwesten
Konfetti-Verbot in der Fastnacht: Tradition vs. Umweltschutz

Konfetti-Krach bei der Fastnacht: Was hinter dem Verbot steckt

Konfetti macht Spaß – aber es verursacht auch erheblichen Dreck. Während der Fastnacht landen jedes Jahr tonnenweise bunte Papierschnipsel auf den Straßen, was nun zu hitzigen Debatten führt. Ein Konfetti-Verbot in einigen Städten sorgt für Wirbel und spaltet die Meinungen zwischen Brauchtumspflege und Umweltbewusstsein.

Tradition oder Umweltverschmutzung?

Für viele ist Konfetti ein fester Bestandteil des Fastnachtsbrauchtums, doch andere sehen darin vor allem eine Belastung für die Umwelt. Was lange als harmloser Spaß galt, wird zunehmend kritisch hinterfragt. In verschiedenen Kommunen wird über Regulierungen diskutiert, während mancherorts die bunten Schnipsel bereits komplett verboten sind.

Das Beispiel Tuttlingen

In Tuttlingen, nahe dem Bodensee, wurde Konfetti kürzlich untersagt. Ein Stadtsprecher erklärte, das Verbot sei notwendig, weil die Mengen Jahr für Jahr zunähmen und Ärger verursachten. „Wenn es matschig-nass ist, kann es sein, dass das Zeug wochenlang in jeder Fuge klebt“, so der Sprecher. Der Bauhof, der im Winter ohnehin stark belastet sei, müsse dann die Reinigung übernehmen.

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Die Stadt hatte nicht erwartet, dass das Verbot für große Aufregung sorgen würde, da ähnliche Regelungen in anderen Kommunen bereits lange bestehen. „Wir dachten, das ist kein großes Ding“, hieß es aus dem Rathaus. Konfetti gehöre zudem nicht zur traditionellen schwäbisch-alemannischen Fasnet.

Reaktionen der Narren und Verbände

In sozialen Netzwerken gab es negative Kommentare, doch direkte Kritik erreichte die Stadt kaum. Stattdessen erhielt sie Lob von Umzugsbesuchern, die sich freuten, nicht länger Konfetti aus Kleidung oder Autos entfernen zu müssen.

Die Narren zeigen sich wenig begeistert. Sonja Vogler, Präsidentin der Tuttlinger Narrenzunft Honberger, sagte der „Schwäbischen Zeitung“: „Saubere Straßen wird es bei Umzügen nicht geben“. Alle teilnehmenden Vereine seien für den anstehenden Umzug informiert worden.

Die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) sieht das Thema gelassener. Ein Sprecher betonte, Konfetti gehöre nur bei manchen Zünften zur Fastnacht, bei anderen spiele es keine Rolle. Im Südwesten zähle es nicht zum Brauchtum, und Verbote allein seien keine Lösung – ein gutes Maß sei wichtig.

Andere Fastnachts-Hochburgen setzen auf Freiwilligkeit

In Städten wie Konstanz oder Ravensburg wird auf Verbote im öffentlichen Raum verzichtet. Stattdessen setzt man auf die Verantwortung der Veranstalter. Ravensburg erlaubt Konfetti grundsätzlich, schränkt es aber in städtischen Schulgebäuden ein, um Reinigungsaufwand zu vermeiden.

Villingen-Schwenningen verzichtet ebenfalls auf Verbote und regelt die Reinigung über Genehmigungen. Konfetti sei zwar aufwendig zu beseitigen, doch ein Verbot stehe nicht zur Debatte.

Umweltaspekte rücken in den Fokus

Unabhängig von lokalen Regeln gewinnt der Umwelt-Aspekt an Bedeutung. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnt besonders vor Varianten aus Plastik oder mit Glitzer, die als Mikroplastik lange in der Umwelt bleiben und in die Nahrungskette gelangen können.

Auch Papierkonfetti könne durch Farbstoffe und große Mengen problematisch sein. Ein DUH-Sprecher erklärte: „Fakt ist: umweltschonender Karneval sollte ohne Konfetti auskommen“. Zudem kämen steigende Reinigungskosten für Städte hinzu.

Einige Karnevalsgruppen zeigen bereits, dass Feiern ohne Konfetti möglich ist, wie in Aachen, wo weitgehend auf die bunten Schnipsel verzichtet wird.

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