Tillys Putin-Wagen trotz Moskauer Prozess: Karnevalisten reagieren unterschiedlich
Putin-Wagen trotz Prozess: Karnevalisten reagieren unterschiedlich

Putin-Wagen trotz Moskauer Prozess: Tilly lässt sich nicht einschüchtern

Während in Moskau ein Gerichtsverfahren gegen ihn läuft, zeigt sich der Düsseldorfer Bildhauer Jaques Tilly unbeeindruckt. Pünktlich zum Rosenmontag präsentiert er einen neuen Karnevalswagen, der den russischen Präsidenten Wladimir Putin satirisch darstellt. Das Strafverfahren in Russland wirft Tilly die Verunglimpfung russischer Staatsorgane vor, was neben der Armee auch Putin selbst betrifft. Dem Künstler drohen dabei eine Geldstrafe oder sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.

Unterschiedliche Reaktionen in Karnevalshochburgen

In anderen deutschen Karnevalsstädten gehen die Organisatoren der Rosenmontagszüge deutlich vorsichtiger mit dem Thema um. Sowohl in Köln als auch in Mainz wird in diesem Jahr bewusst auf Putin-kritische Wagen verzichtet. Das Festkomitee des Kölner Karnevals betont jedoch, dass diese Entscheidung nicht aus Angst vor Repressalien getroffen wurde. Zugleiter Marc Michelske verwies auf öffentliche Solidaritätsbekundungen mit Tilly.

In Mainz begründeten die Verantwortlichen den Verzicht damit, dass Putin und der Krieg in der Ukraine in den vergangenen Jahren bereits mehrfach thematisiert wurden. Man wolle eine gewisse Redundanz vermeiden. Stattdessen stehen bei den Mainzer Motivwagen andere politische Figuren im Fokus der Satire, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und US-Präsident Donald Trump.

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Tilly bleibt bei seiner Linie der politischen Satire

Jaques Tilly selbst äußerte sich gelassen zu dem laufenden Prozess. Er sei Drohungen gewohnt und lasse sich nicht einschüchtern. Als Reaktion auf das Gerichtsverfahren habe er bewusst keine besonders extremen Wagen entworfen. "Wir werden jetzt nicht extra noch besonders hart sein, das ist auch albern, wir machen einfach gute politische Satire, so wie immer", erklärte der Bildhauer. Für ihn sei der Rosenmontag ein normaler, wenn auch anstrengender Arbeitstag.

Allerdings hat der Prozess in Moskau eine ungewöhnliche Nachwirkung. "Nur dank dieses Prozesses ist nach Aschermittwoch diesmal nicht alles vorbei. Es geht natürlich weiter, leider", so Tilly. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst kritisierte das Strafverfahren scharf und rief zur Solidarität mit dem Künstler auf.

Großes Publikum erwartet

Die Rosenmontagszüge in Köln, Düsseldorf, Mainz und anderen Städten rollen traditionell um 11:11 Uhr durch die Straßen. In Mainz werden rund 600.000 Besucherinnen und Besucher erwartet, die die politische Satire auf den Motivwagen verfolgen werden. Trotz der unterschiedlichen Herangehensweisen an das Putin-Thema bleibt der Karneval ein wichtiges Forum für gesellschaftliche und politische Kommentare.

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