Groß angelegte Studie: Vögel fürchten sich offenbar eher vor Frauen als vor Männern. Vögel reagieren in Städten misstrauischer auf Frauen als auf Männer. Das zeigt eine in fünf Ländern durchgeführte Studie. Forscher spekulieren jetzt über mögliche Gründe für dieses Verhalten.
Studie untersucht Fluchtdistanz von Stadtvögeln
Vögel fliehen in der Stadt offenbar eher vor Frauen als vor Männern. Das zeigt eine Studie der Tschechischen Agraruniversität Prag, die im Fachmagazin „People and Nature“ veröffentlicht wurde. Das internationale Forschungsteam um Federico Morelli und Yanina Benedetti beobachtete dafür, wie Vögel darauf reagierten, wenn Spaziergängerinnen und Spaziergänger sich ihnen näherten. Das Team bildete dafür vier Beobachterpaare, die jeweils aus einem Mann und einer Frau bestanden, die ungefähr gleich groß und ähnlich gekleidet waren. Die Ornithologen und Ornithologinnen gingen gleich schnell auf einzelne Tiere zu und hielten dabei Blickkontakt.
Daten aus sieben Städten in fünf Ländern
Zwischen April und Juli 2023 beobachteten die Forscher und Forscherinnen so 2701 Reaktionen von 37 Vogelarten in sieben Städten in Tschechien, Deutschland, Frankreich, Spanien und Polen. Zu den Vögeln zählten etwa Tauben, Elstern, Amseln oder Krähen. Sie maßen die Fluchtdistanz, also wie nahe die Menschen kommen konnten, bevor das Tier sich zurückzieht. In der Verhaltensökologie gilt das als gängiger Indikator dafür, wie wachsam Tiere reagieren, wenn sie sich bedroht fühlen. Das Ergebnis: Die Männer konnten den Vögeln im Schnitt etwa einen Meter näher kommen als die Frauen. Zwischen den einzelnen Ländern und Vogelarten gab es dabei kaum Unterschiede.
Mögliche Störfaktoren wurden berücksichtigt
Dabei berücksichtigte die Studie Faktoren, die das Ergebnis verzerren könnten: die Ausgangsentfernung, die Größe des Vogeltrupps, das Geschlecht des fliegenden Tieres, die umgebende Landnutzung, die Vegetationsdeckung und die Verwandtschaft der Arten untereinander. Zudem erhoben die Frauen im Team keine Daten, während sie menstruierten. Denn Duftstoffe im Körpergeruch hätten die Ergebnisse ebenfalls verfälschen können.
Gründe für das Verhalten bleiben unklar
Die Studie untersuchte unterdessen nicht, warum die Tiere sich so verhielten. Das Forschungsteam nannte aber mögliche Gründe: So könnten unabhängig vom Geschlecht Unterschiede im Gang, in der Körperform oder im Körpergeruch eine Rolle spielen. Zudem gelten männliche Vögel als risikotoleranter. Darüber könnte weitere Forschung Aufschluss geben. Zudem näherten sich nur vier Frauen und Männer den Tieren. Mehr Testpersonen könnten andere Ergebnisse zeigen.



