Türkische Behörden untersagen Metal-Konzerte in Istanbul
Die türkischen Behörden haben zwei geplante Metal-Konzerte in Istanbul verboten. Betroffen sind die russische Deathcore-Band Slaughter To Prevail und die polnische Blackmetal-Band Behemoth. Die Auftritte im Kulturzentrum Zorlu im Bezirk Besiktas wurden kurzfristig gestrichen. Der Landrat des Bezirks teilte mit, dass sämtliche Veranstaltungen an diesem Ort für zwei Tage untersagt sind.
Begründung: Unvereinbarkeit mit gesellschaftlichen Werten
Zur Begründung des Verbots hieß es offiziell, die Konzerte würden eine breite Ablehnung in verschiedenen Teilen der Bevölkerung auslösen, da sie nicht mit den gesellschaftlichen Werten vereinbar seien. Auf dieser Grundlage entschieden die Behörden, alle Konzerte, Festivals und sonstigen Gruppenveranstaltungen im Zorlu, Zentrum für darstellende Künste, zu untersagen. Dies stellt einen schwerwiegenden Eingriff in das kulturelle Leben der Metropole Istanbul dar.
Band reagiert mit Enttäuschung auf das Verbot
Alex Terrible, Sänger von Slaughter To Prevail, äußerte sich auf Instagram enttäuscht über die Absage. Er berichtete, dass das Konzert aufgrund von Druck aus islamistischen Kreisen gestrichen wurde. Diese hätten behauptet, die Band verbreite satanistische Propaganda. „Das ist völlig falsch. Ich glaube an Gott“, betonte der Sänger. Die Situation beschrieb er als „sehr traurig“.
Politische Hintergründe der Band Slaughter To Prevail
Slaughter To Prevail hatte bereits in ihrem Heimatland Russland mit politischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Nach Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine galt die Band als regierungskritisch. Im Song „1984“ äußerten sie sich gegen Wladimir Putin und den Krieg, was zu Befürchtungen vor staatlichen Konsequenzen führte. Aus politischen Gründen verließ die Band 2022 Russland und zog nach Orlando, Florida, um.
Reaktionen aus der Türkei
Der Istanbuler Gouverneur Davut Gül kommentierte das Verbot auf der Plattform X: „Bis heute ist in Istanbul keinerlei Tätigkeit erlaubt worden, die die Gesellschaft verdirbt, und dies wird auch künftig nicht erlaubt werden.“ Türkische Medien hatten die betroffenen Bands zuvor als religionsfeindlich beschrieben. Das Kulturzentrum Zorlu, das normalerweise zahlreiche kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Theaterstücke und Musicals beherbergt, hat sich zu dem Vorfall bisher nicht öffentlich geäußert.
Dieser Fall wirft Fragen zur künstlerischen Freiheit und zur Handhabung von Kulturveranstaltungen in der Türkei auf. Die Absage der Konzerte zeigt, wie religiöse und politische Faktoren zunehmend Einfluss auf das kulturelle Programm nehmen können.



