Historische Pfarrkirche in Cramon: 660.000 Euro für Sanierung nötig
660.000 Euro für Sanierung der Kirche Cramon nötig

Die historische Pfarrkirche in Cramon steht vor einer groß angelegten Sanierung. Schiefe Bänke, Wasserschäden und marodes Mauerwerk sind nur einige der Probleme, die das jahrhundertealte Gotteshaus plagen. Der Förderverein Kirche und Pfarrhofensemble Cramon hat ein Mammutprojekt gestartet, um die Kirche zu retten. Rund 660.000 Euro werden für die umfassende Sanierung benötigt.

Gutachten zeigt das Ausmaß der Schäden

Der Förderverein hat ein detailliertes Gutachten in Auftrag gegeben, das den Zustand der Kirche genau dokumentiert. „Wir haben nun ein Gutachten, das zeigt, wo überall etwas passieren muss“, erklärt Hannelore Eggemann vom Vorstand des Fördervereins. Diplom-Ingenieur Ulf Klötzing ergänzt: „Es waren kaum noch alte Aufzeichnungen vorhanden, daher haben wir ein 3D-Aufmaß erstellt.“ Die digitale Vermessung, angefertigt von Diplom-Ingenieur Michael Schleweis, zeigt erstmals das gesamte Schadensbild.

Die mittelalterliche Backsteinkirche stammt aus dem Ende des 14. Jahrhunderts und ist trotz ihres Alters noch relativ gut erhalten. Dennoch sind die Probleme deutlich sichtbar: Die Kirche steht auf abschüssigem Gelände, was zu Schäden am Mauerwerk führt. Feuchtigkeit dringt ein, der Boden im Innenraum ist abgesackt, und die alten Pflastersteine verlaufen wellenförmig. Auch die Kirchenbänke stehen schief oder sind beschädigt.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Sanierung in mehreren Abschnitten

Die Sanierung wird sich über Jahre erstrecken. Besonders das Dach bereitet Sorgen: Es wurde zwar in den 1970er- oder 80er-Jahren erneuert, doch viele Dachziegel wurden einzementiert. „Um an die Dachbalken zu gelangen, müssen diese Ziegel entfernt werden und können danach nicht mehr genutzt werden“, erklärt Ulf Klötzing. Daher kann die Sanierung nicht in einem einzigen Bauabschnitt erfolgen. „Wir fangen oben an und arbeiten uns nach unten vor“, sagt Michael Schleweis. Zuerst muss der Dachstuhl gesichert werden, um die Kirche vor Nässe zu schützen. Allein für Dach und Dachbalken werden rund 180.000 Euro benötigt.

Engagement des Fördervereins

Der Förderverein setzt sich seit seiner Gründung im Jahr 2003 für den Erhalt des denkmalgeschützten Ensembles ein. Die rund 90 Mitglieder haben bereits das Backhaus und die Pfarrscheune saniert, die heute als Kultur- und Begegnungsort dienen. Auch die historische Friese-Orgel und die Kirchentür wurden restauriert. Nun steht die Kirche selbst im Fokus. „Was wäre Cramon ohne die Kirche?“, fragt Hannelore Eggemann. „Das Ensemble ist ein Gemeindegut, es lohnt sich, dafür aktiv zu sein.“

Die Finanzierung der Arbeiten erfolgt durch Mitgliedsbeiträge, Spenden, Förderungen und Veranstaltungen. Die Künstlerin Margit Schmal unterstützt den Verein mit einer besonderen Aktion: Sie spendete Einnahmen aus einer Ausstellung – mehrere hundert Euro kamen zusammen. Am 27. Juni geben „Die Herren“ ein Konzert mit Musik der 1920er- und 1930er-Jahre in der Kirche.

Pastor Markus Seefeld zeigt sich dankbar: „Wir freuen uns sehr über die Unterstützung. Die Kirche ist ein lebendiger Ort mit Gottesdiensten, Konfirmationen, Beerdigungen, Adventsmarkt und Johannesfest. Alles, was hier auf dem Areal stattfindet, ist nicht hoch genug zu loben.“

Ein langer Weg zur Rettung

Die Kirche von Cramon blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits 1178 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt, und vermutlich stand damals eine einfache Holzkirche an gleicher Stelle. Der heutige gotische Backsteinbau entstand Ende des 14. Jahrhunderts. Generationen von Menschen wurden hier getauft, getraut und verabschiedet. Pastor Voß formulierte es einst in einer Predigt: „Auf diesen Bänken haben sie gesessen, gesungen, gebetet und dem Wort des Lebens gelauscht. Wie viele Erinnerungen werden da wieder lebendig.“

Damit dies auch in Zukunft möglich bleibt, beginnt nun die wohl größte Sanierung in der jüngeren Geschichte der Kirche. Der erste Schritt ist mit dem Gutachten gemacht. Nun folgen Förderanträge, Spendenaktionen – und viel Geduld.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration