Buchenwald-Verbände positionieren sich klar gegen Kufiyas-Kampagne
Zwei bedeutende Verbände ehemaliger Häftlinge und ihrer Angehörigen haben sich in einer gemeinsamen Stellungnahme deutlich von der umstrittenen Kampagne "Kufiyas in Buchenwald" distanziert. Die Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora und die Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora/Freundeskreis lehnen die Initiative entschieden ab, die für April zu Protesten rund um das Gedenkwochenende zur Befreiung des Konzentrationslagers aufgerufen hat.
Vorwürfe gegen Gedenkstätte werden zurückgewiesen
Die überwiegend aus Nachkommen politischer Häftlinge bestehenden Organisationen weisen die zentralen Anschuldigungen der Kampagne gegen die Gedenkstätte Buchenwald entschieden zurück. In ihrer Stellungnahme betonen sie, dass die im Kampagnen-Statement erhobenen Vorwürfe wie "Geschichtsrevisionismus und Genozidleugnung" nicht den Tatsachen entsprechen würden.
Die Gedenkstätte verbreite weder "israelische Propaganda" noch liefere sie "Munition für den andauernden Genozid in Palästina", heißt es in der klaren Positionierung der Verbände. Zugleich stellen sie klar, dass es kein pauschales Verbot palästinensischer Symbole in der Gedenkstätte gebe. Eine von der Kampagne kritisierte interne Handreichung sei bereits im Sommer 2025 zurückgezogen worden.
Historische Dimension der NS-Verbrechen wird betont
Die Verbände kritisieren, dass die Initiatoren der Kufiyas-Kampagne die historische Dimension der nationalsozialistischen Verbrechen verkennen würden. Sie unterstreichen, dass der Mord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden durch den deutschen Faschismus einen "einzigartigen Kulturbruch in der Menschheitsgeschichte" darstelle.
Während die Verbände betonen, dass Kritik am Vorgehen Israels im Gazastreifen durchaus legitim sei, sehen sie eine klare Grenze zum Antisemitismus überschritten, wenn das Existenzrecht des Staates Israel infrage gestellt werde. Diese Positionierung erfolgt vor dem historischen Hintergrund des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar, in das die Nationalsozialisten seit dem Sommer 1937 etwa 280.000 Menschen verschleppt hatten, darunter viele Zehntausend Jüdinnen und Juden.
Gedenkkultur und politische Auseinandersetzung
Die Stellungnahme der Buchenwald-Verbände verdeutlicht die sensiblen Grenzen zwischen legitimer politischer Kritik und der Instrumentalisierung von Gedenkorten. Die Organisationen, die sich seit Jahrzehnten für die Aufarbeitung der NS-Verbrechen engagieren, positionieren sich damit klar gegen Versuche, die Gedenkstätte für aktuelle politische Konflikte zu instrumentalisieren.
Die Ablehnung der Kufiyas-Kampagne durch die Verbände erfolgt aus der historischen Verantwortung heraus, die Einzigartigkeit der Shoah zu bewahren und gleichzeitig Raum für differenzierte politische Diskussionen zu wahren, ohne dabei antisemitische Positionen zu legitimieren.



