Frauenpower im Schloss Mirow lebendig erzählt
Am Internationalen Frauentag nahm Susanne Bocher, die Leiterin des Mirower Schlossmuseums, die Besucher auf eine ganz besondere Führung mit. Im Mittelpunkt standen dabei die herzoglichen Power-Frauen von Mirow, die im 18. Jahrhundert trotz aller Zwänge Politik und Wirtschaft prägten.
Adlige Frauen zwischen Kloster und Heirat
Obwohl sie privilegiert waren, hatten adlige Frauen im 18. Jahrhundert kaum Wahlmöglichkeiten. Ihre Optionen beschränkten sich meist darauf, entweder Klosterfrau oder Heiratsware zu sein. Als Ehefrauen lebten sie gefährlich, denn viele starben jung bei ihrer Aufgabe, Stammhalter zu gebären. Dennoch wussten sich zahlreiche Frauen zu behaupten, politischen Einfluss zu nehmen und klug zu wirtschaften.
Der Einladung zur besonderen Führung im Schloss Mirow folgten gut 30 Frauen – und auch einige Männer. Susanne Bocher freute sich über den großen Zuspruch und führte das Publikum in eine Zeit, in der Frauen zur Unterordnung verdammt waren, egal ob sie Reifröcke und Perücken oder Schürzen und Hauben trugen.
Christiane Emilie Antonie: Eine junge Frau mit Durchsetzungsvermögen
Schon der Bau des Mirower Schlosses war das Ergebnis eines knallharten Vertrages, den Christiane Emilie Antonie von Schwarzburg-Sondershausen der arrangierten Ehe mit dem deutlich älteren ersten Herzog von Strelitz, Adolph Friedrich II., verdankte. Nach Susanne Bochers Ausführungen verfügte die junge Frau über eine große Durchsetzungskraft.
Nach dem Tod ihres Gatten ließ sie sich in Mirow einen fürstlichen Witwensitz errichten und führte darin ein selbstbewusstes Leben. Interessanterweise schenkte sie neben den zwei ehelichen Kindern später noch zwei Töchtern das Leben. „Über die Väter wurde nichts bekannt. Christiane behielt ihren guten Ruf“, erklärt Susanne Bocher.
Ein Bauwerk von außergewöhnlicher Qualität
Der Bau des Schlosses dauerte gerade mal zwei Jahre, von 1707 bis 1709. „Was heute kaum noch vorstellbar ist“, sagt Susanne Bocher. Der hartnäckigen Witwe gelang es, die besten Handwerker und Künstler für ihr Vorhaben zu gewinnen. „Der Siebenjährige Krieg, in den der Preußenkönig gezogen war, spielte ihr in die Hände. Denn Preußen gab das Geld für Waffen aus, das nun für Handwerker und Künstler fehlte. In Mirow fanden sie Arbeit“, erläutert sie.
Noch heute zeugen edle Seidentapeten, kunstvoller Stuck und filigrane Schnitzereien von den außergewöhnlichen Fertigkeiten dieser Handwerker. Im Herzen des Hauses strahlt der hochbarocke Festsaal des italienischen Stuckateurs Giovanni Batista Clerici.
Ein weibliches Schloss mit bedeutenden Bewohnerinnen
Das Mirower Schloss ist ein weibliches Schloss. „Kein Wunder. Es hatte als Witwensitz ausschließlich Hausherrinnen. Das sieht man dem Schloss auch an“, betont Susanne Bocher. Auch Christianes Schwiegertochter, Elisabeth Albertine, hinterließ ihre Spuren, indem sie den Rokoko-Stil ins Schloss brachte. „Hier wirkt nichts schwer oder dunkel, wie man es in männlich geprägten Häusern oftmals vorfindet. Keine dunkle Täfelung, keine Jagdtrophäen“, sagt sie.
Elisabeth Albertine sollte großes politisches Gespür beweisen, indem sie ihren Sohn – den zukünftigen Herzog von Mecklenburg-Strelitz – außer Landes bringen ließ und damit das Überleben des Herzogtums sicherte. „Ihre Tochter Sophie Charlotte wurde später Queen von England“, fügt Bocher hinzu.
Preußenkönigin Luise mit Wurzeln in Mirow
Mit Preußenkönigin Luise hat eine weitere wichtige Frau des Hochadels Wurzeln in Mirow. Ihr Vater Karl war eines von sechs Kindern von Elisabeth Albertine und Prinz Karl von Mecklenburg-Strelitz.
Aus Anlass des 250. Geburtstags der Preußenkönigin gibt es am Sonnabend, dem 14. März, auf Schloss Hohenzieritz einen Festvortrag. Rudolf Scharmann, ehemaliger Kastellan des Schlosses Charlottenburg, wird einen Vortrag mit dem Titel „Königin Luise von Preußen. Leben und Mythos“ halten. Darin geht es um Luises privates und öffentliches Leben sowie die Entstehung des Luisenkults. Dabei wird er auch sein neues Buch über Königin Luise vorstellen. Der Eintritt in die Gedenkstätte und zum Vortrag ist kostenfrei.
Das idyllisch auf einer Insel gelegene Schloss Mirow birgt mit seinem schlichten Bau viele Kostbarkeiten und Geschichten starker Frauen, die trotz der Zwänge ihrer Zeit politischen Einfluss nahmen und wirtschaftlich klug handelten.



