Fußball war in der DDR manchmal mehr als nur Sport. Eine neue Open-Air-Ausstellung in Neubrandenburg zeigt nun, wie eng Überwachung und Fankultur verbunden waren. Wer in den Stadien der DDR nicht nur angefeuert hat, galt schnell als staatsfeindlich.
Historische Fotografien auf dem Boulevard
Unter dem Titel „Im Objektiv der Staatsmacht – Fußballfans im Blick von Stasi und Volkspolizei“ zeigen Bundesarchiv und Stasi-Unterlagen-Archiv sowie die Stadt Neubrandenburg vom 21. Mai bis 21. Juni historische Fotografien und Dokumente rund um Überwachung und Repression in der DDR-Fußballszene der 1970er- und 1980er-Jahre. Die Ausstellung ist auf dem Neubrandenburger Boulevard zwischen Marktplatz und Wartlaustraße zu sehen.
Enge Überwachung der Fans
Auf insgesamt 18 Tafeln wird deutlich, wie engmaschig Fans überwacht wurden. Die Staatssicherheit observierte Anhänger in und außerhalb der Stadien, teils verdeckt als Sportreporter, teils mit versteckten Kameras. Politische Gesänge, westdeutsche Vereinssympathien oder unangepasstes Verhalten galten schnell als staatsfeindlich. Aus Zuschauern wurden Beobachtete, aus Fans mitunter Kriminalisierte.
Protest gegen den Alltag in der DDR
Die Ausstellung zeigt dabei nicht nur die Perspektive der Behörden, sondern auch die Fankultur selbst: Transparente, Schlachtgesänge und Proteste gegen den DDR-Alltag. Die Fußballszene bot vielen jungen Menschen Freiräume – und genau das machte sie für die SED-Führung verdächtig.
Eröffnung und Begleitprogramm
Eröffnet wird die Ausstellung am Donnerstag, dem 21. Mai, um 16 Uhr durch Oberbürgermeister Nico Klose. Anschließend führt Historiker René Wiese durch die Schau. Um 17 Uhr folgt im Stadtarchiv ein Zeitzeugengespräch mit dem 1983 geflüchteten Ex-Fußballer Dirk Schlegel und dem langjährigen Chemie-Leipzig-Fan Jens Fuge.



