Romely Pfund begeht im Mai ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum. Die 1955 in Dresden geborene Dirigentin war 1987 die erste Frau, die in der DDR zur Chefdirigentin berufen wurde. Neun Jahre lang stand sie an der Spitze der Neubrandenburger Philharmonie und hinterließ dort bleibende Spuren.
Frühe Weichenstellung in der DDR
Schon während ihres Studiums an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ in Dresden sammelte Pfund praktische Erfahrungen. Ihr Mentor, Generalmusikdirektor Professor Rudolf Neuhaus, legte großen Wert auf Praxis. „Ich habe schon im Studium selbstverständlich durchgehend gearbeitet“, erinnert sie sich. So war sie als Assistentin des Philharmonischen Chores und als Repetitorin tätig. Bereits im letzten Studienjahr 1979 begann ihr Engagement am Theater der Altmark Stendal, wo sie ab 1981 als 1. Kapellmeisterin wirkte. 1983 wechselte sie an das Landestheater Dessau.
Einzigartige Karriere als Dirigentin
Von den 130 klassischen Berufsorchestern in Deutschland werden weniger als eine Handvoll von Frauen geführt. Pfund durchbrach diese Männerdomäne bereits 1987. Ihr Premierenkonzert in Neubrandenburg war anspruchsvoll: Neben Mendelssohn-Bartholdy und Mozart stand Siegfried Matthus auf dem Programm. Das Publikum honorierte die Leistung mit „lang anhaltendem herzlichem Beifall“.
Ein besonderes Highlight war ihre Teilnahme am Internationalen Tanglewood Music Festival in Massachusetts im Sommer 1987. Dort stand sie mit der Dirigenten-Legende Leonard Bernstein auf der Bühne und dirigierte die Haydn-Sinfonie Nr. 102. Weitere Vorbilder waren Kurt Masur und Seiji Ozawa.
Engagement für die Konzertkirche
Romely Pfunds Wirken ist eng mit dem Aufbau der Neubrandenburger Konzertkirche verbunden. Sie initiierte die ersten Benefizkonzerte in der damals noch unfertigen Marienkirche – ohne Fußboden, Heizung und feste Sitzreihen. „Wir waren immer ausverkauft, obwohl die Leute quasi im Dreck standen“, erinnert sie sich. Die Begeisterung des Publikums und die elektrisierte Stimmung im Orchester waren für sie eine wunderbare Zeit.
Sie lockte Stars wie Justus Frantz nach Neubrandenburg. Nach neun Jahren verließ sie die Stadt, war unter anderem Generalmusikdirektorin der Bergischen Symphoniker (1998-2009) und Operndirektorin am Landestheater Neustrelitz (2009-2013). Später lehrte sie als Dozentin an der Musikhochschule Lübeck. Insgesamt dirigierte sie 70 der 130 deutschen Orchester, knapp 1400 Konzerte und 65 Musiktheaterproduktionen.
Privates Glück in Neubrandenburg
Mit der Deutschen Einheit suchte Pfund juristischen Rat bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und lernte dort ihren späteren Ehemann, den Steuerberater Christian Schwandt, kennen. „Ich habe mich sofort in ihn verliebt.“ Das Paar heiratete und bekam zwei Kinder. Schwandt war später Geschäftsführer der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz und Theaterdirektor in Lübeck. Seit 2021 führt er als Geschäftsführer das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin.
Jubiläumskonzert und Ausblick
Anlässlich ihres 50-jährigen Bühnenjubiläums dirigiert Romely Pfund am 9. Mai im Theater Lübeck ein Konzert mit Werken von Joseph Haydn, Johannes Brahms und Leonard Bernstein. Ein Abschied von der Bühne ist das nicht, versichert sie: „Ich dirigiere nach wie vor sehr gerne. Mal schauen, was die Zeit bringt.“



