Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat ihre eigene Beerdigung bereits geplant. Die 67-jährige Pfarrerin verriet der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), dass unter anderem die Lieder feststehen, die bei ihrer Trauerfeier gesungen werden sollen. Dazu gehört das bekannte Sommerlied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ von Paul Gerhardt (1607–1676), das üblicherweise bei Hochzeiten oder Taufen erklingt. Käßmann betont, dass das Lied auch hervorragend zu einer Beerdigung passe.
Lebenslust und Hoffnung in schweren Zeiten
Das Lied verbinde Lebenslust, das Wissen um Leid und die Hoffnung auf Gottes Zukunft nach dieser Welt. „Ich denke, das ist das, was die Menschen bis heute in seinen Liedern so anrührt“, sagte die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). „Das Nicht-Ignorieren von Leid und trotzdem Dagegenhalten. Auch jetzt zum Beispiel, im Mai, freut man sich an der Natur und all dem Blühen – allen Krisen zum Trotz.“
Historischer Hintergrund des Liedes
Paul Gerhardt schrieb „Geh aus mein Herz und suche Freud“ im Jahr 1648, als der Dreißigjährige Krieg endete. Für die Menschen war es ein Trostlied in schwerer Zeit. Gerhardt gilt bis heute als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenlieddichter. Er verfasste mehr als 130 Lieder, darunter das Weihnachtslied „Ich steh an deiner Krippen hier“ und das Passionslied „O Haupt voll Blut und Wunden“. Auch außerhalb der Kirche sind seine Lieder bekannt, etwa „Nun ruhen alle Wälder“.
Paul-Gerhardt-Jahr 2026
Im Jahr 2026 feiert die Evangelische Kirche das Paul-Gerhardt-Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen. Käßmanns Aussagen fallen in diesen Kontext, da am 27. Mai der 350. Todestag des Dichters begangen wird. Die Theologin betont die zeitlose Relevanz von Gerhardts Werk, das auch heute noch Menschen in allen Lebenslagen anspricht.



