Das Multikulturelle Centrum Templin (MKC) ist in der Uckermark längst eine feste Größe für Filmkunst, Konzerte, Theater und Kabarett. Viele kennen das Haus als preisgekröntes Kino und professionellen Veranstaltungsort. Doch weniger bekannt ist, dass hinter dem Programm ein engagierter Verein mit 150 Mitgliedern steht.
Positive Bilanz für 2025
In der Jahresmitgliederversammlung des MKC zogen Vorsitzender Wolfgang Janitschke und Geschäftsführerin Kathrin Bohm-Berg eine positive Bilanz für 2025. Die Mitglieder entlasteten Vorstand und Geschäftsführung einstimmig. Wirtschaftlich konnte das Haus trotz schwierigerer Rahmenbedingungen zulegen: Die Einnahmen aus Kino, Veranstaltungen und Foyer-Café stiegen.
Mehr als 15.000 Besucherinnen und Besucher kamen ins Kino, rund 2.000 davon ins Mobile Kino, das im Sommer durch die Uckermark tourt. Weitere rund 12.000 Gäste besuchten Konzerte, Theater- und Kabarettabende sowie Ausstellungen. Das Einspielergebnis des Kulturhauses lag insgesamt bei mehr als 30 Prozent des Gesamtbudgets.
Herausforderungen der Kulturfinanzierung
Doch die Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte. In der Versammlung wurde deutlich, wie fragil Kulturfinanzierung geworden ist. Ein erheblicher Teil des MKC-Etats stammt aus öffentlicher Förderung – durch die Stadt Templin, den Landkreis Uckermark und das Land Brandenburg aus Mitteln des Finanzausgleichsgesetzes. Rund 40 Prozent des Budgets werden so abgesichert. Das bedeutet ständiges Ringen um zukunftsträchtige Vereinbarungen, Sicherheiten für die Programmarbeit und die Beschäftigten des Hauses, die mit insgesamt 6,5 Stellen den Betrieb meistern. Dazu kommt das zeitaufwendige Einwerben von Fördermitteln für Projektarbeit, die das restliche Drittel des Haushalts ausmachen.
Ehrenamtliche „Kulturkomplizen“
Wie es künftig weitergeht, beschäftigt den Verein spürbar. Vielleicht erklärt das den besonderen Charakter dieses Hauses: Kultur wird hier nicht nur konsumiert, sondern mitgetragen – durch den Verein, der seit 1999 die Trägerschaft innehat. Das zeigt sich besonders bei den „Kulturkomplizen“, ehrenamtlichen Gruppen, die das MKC Seite an Seite mit dem hauptamtlichen Team am Laufen halten.
Da sind etwa die Café-Komplizinnen: Sechs Frauen übernehmen regelmäßig das Catering für Künstler und Veranstaltungen. Bettina Weitermann berichtete von improvisierten Backstage-Momenten, Gesprächen mit Künstlern und dem Blick hinter die Kulissen. „Wir machen das für den Verein, für das MKC“, sagte sie. Weil alles ehrenamtlich organisiert werde, entstünden nur Materialkosten – und eine Gastfreundschaft, die bei vielen Künstlern in Erinnerung bleibt.
Die Film-Komplizen reisen bis zur Berlinale oder zur Filmkunstmesse nach Leipzig, diskutieren Neuerscheinungen und kuratieren das anspruchsvolle Kinoprogramm, für das das MKC weit über Templin hinaus bekannt ist. Formate wie der „Secret Film Club“, der „Film des Monats“ oder spezielle Familienangebote entstehen aus diesen Diskussionen. Die Veranstaltungs-Komplizen übernehmen Garderobe und Abenddienste, springen kurzfristig ein und erleben Konzerte oder Lesungen aus einer Perspektive, die dem Publikum verborgen bleibt.
Draußen, unter den großen Kastanien vor dem Haus, arbeiten die Park-Komplizen. Sie schneiden Rosen, pflegen Beete und kämpfen beim Herbstputz gegen erstaunliche Mengen Laub. Der Templiner Gärtner Christoph Mathys warb um weitere Mitstreiter. Eine Teilnehmerin bekannte schmunzelnd, sie habe bei den Einsätzen gelernt, wie man Rosen fachgerecht beschneidet – mit sichtbaren Folgen im eigenen Garten.
Wachsender Verein mit 150 Mitgliedern
Der Verein ist in den vergangenen Jahren weiter gewachsen, 150 Mitglieder zählt er inzwischen. Neue kommen hinzu, nicht zuletzt nach Veranstaltungen wie dem Tag der Vereine, wo das MKC mit Interessierten ins Gespräch kam. Mitgliedschaft bedeutet mehr als einen Jahresbeitrag: Es gibt zwei Kinofreikarten, Vergünstigungen, gemeinsame Ausflüge – im kommenden Oktober nach Neustrelitz. Vor allem aber bindet diese besondere Komplizenschaft an einen Ort, der Kultur in der Uckermark nicht als Dekoration versteht, sondern als gemeinsame Aufgabe.



