Neue Sat.1-Dokumentation analysiert den Rechtsruck in Westdeutschland
Der Rechtsruck ist in Deutschland deutlich spürbar, und das nicht nur im Osten. Bei den jüngsten Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz wurde die AfD mit knapp 20 Prozent zur drittstärksten Kraft. Die neue Folge der Sat.1-Dokumentation „RONZHEIMER. Wie geht’s, Deutschland?“ von BILD-Vize Paul Ronzheimer geht der Frage nach, wo konservative Politik aufhört und rechtsextremistisches Gedankengut beginnt.
Germersheim: Jeder Dritte wählt AfD
Ronzheimer besucht das 20.000-Einwohner-Städtchen Germersheim in Rheinland-Pfalz, wo zuletzt jeder dritte Wähler die AfD gewählt hat. Die Kleinstadt am Westufer des Rheins zeichnet sich durch eine starke Arbeiterbevölkerung, niedrige Erwerbslosenzahlen und einen robusten Mittelstand aus. Dennoch ist der Zulauf zur AfD hier besonders hoch.
In der traditionellen Kneipe „Zur Träne“ spricht Ronzheimer mit Wirtin Silvia Lochet, die seit 27 Jahren das Lokal führt. „Alles wird teurer“, erklärt sie auf die Frage nach den Gründen für den Rechtsruck. „Egal, wo man hingeht. Dann kriegt man ein bisschen mehr Rente, aber dann wird bei der Krankenkasse aufgeschlagen, die Pflegeversicherung wird teurer.“ Die Sorge, dass das Geld nicht mehr reicht, treibt viele Wähler um.
Frust über die Politik
Rentner Bernd Munz bringt die allgemeine Politikverdrossenheit auf den Punkt: „Den Politikern kann man heute nichts mehr glauben.“ Er fügt kritisch hinzu: „Ich habe immer gedacht, es wird mal besser, wenn ein neuer Bundeskanzler gewählt wird. Aber die Deutschen schaffen immer wieder, dass noch ein größerer A**** gewählt wird.“
Die Sorgen der Bürger gehen jedoch über finanzielle Aspekte hinaus. Germersheimerin Gerda Kern klagt über den Wandel ihrer Heimatstadt: „Früher war das ein schöner Ort. Es war ruhiger. Man kannte jeden.“ Mit einem Ausländeranteil von rund 30 Prozent spielt sie auf die demografischen Veränderungen an. Ihre Freundin Anja Matheis ergänzt: „Es kommen immer mehr rein, die bekommen neu renovierte Wohnungen, die möbliert sind. Dafür müssen andere richtig schaffen.“
AfD-Programm entlastet vor allem Reiche
Paul Ronzheimer zeigt sich überrascht von diesen Aussagen: „Das sind Töne, die ich sonst von AfD-Wählern im Osten kenne. Jetzt gibt es sie auch im Westen.“ Ob die AfD jedoch Probleme wie den hohen Kostendruck lösen kann, bleibt fraglich. Analysen belegen, dass ihr Programm in erster Linie wohlhabende Bürger entlastet.
Dr. Matthias Quent, Professor für Soziologie, erklärt dennoch die Anziehungskraft der AfD: „Parteien der Mitte haben die Glaubwürdigkeit in Teilen der Bevölkerung – gerade der Arbeiter – verloren.“ Die AfD könne diese Lücke füllen, insbesondere in westdeutschen Regionen. „Das Gefühl, dass die eigene Gruppe im Vergleich zu einer anderen Gruppe ungerecht behandelt wird, sorgt bei vielen Menschen für ein großes Ungerechtigkeitsempfinden, das auf das Konto der AfD einzahlt.“
Die Dokumentation verdeutlicht, wie tief der Frust in der Bevölkerung sitzt und warum immer mehr Wähler rechts der Mitte ihre Stimme abgeben. Die politische Landschaft in Deutschland befindet sich im Wandel, und die Gründe dafür sind vielfältig.



