Stichspiele gelten oft als kompliziert, doch das muss nicht sein. Fünf Neuinterpretationen zeigen, wie das einfache Prinzip „Höchste Karte gewinnt“ frischen Wind bekommt – von Superhelden-Duellen bis zu kooperativen Abenteuern in Mittelerde. Hier sind die Empfehlungen für Einsteiger und erfahrene Spieler.
Das Grundprinzip aller Stichspiele
Die Basis ist denkbar einfach: Reihum decken alle Spieler eine Karte auf. Wer die höchste Karte ausgespielt hat, gewinnt den Stich. Diese Regel gilt auch für die folgenden fünf Varianten, die jeweils eigene taktische Kniffe und thematische Welten bieten.
„Pili Pili“: Vorsicht vor den roten Schoten
Bei Pili Pili sind 55 Zahlenkarten von 1 bis 55 sowie ein Joker im Spiel. Vor jeder Runde wird eine Regelkarte aufgedeckt, die besondere Bedingungen vorgibt – etwa, dass Karten weitergegeben werden müssen oder man sie nur kurz ansehen darf. Anschließend schätzen alle, wie viele Stiche sie gewinnen werden. Wer richtig liegt, bleibt verschont; bei Abweichungen gibt es Chilikarten. Sobald jemand sechs Chilis hat, endet das Spiel. Gewinner ist, wer die wenigsten Chilis besitzt. Das Spiel von Jean-Baptiste Campion und Benjamin Brissy ist für drei bis acht Personen ab acht Jahren geeignet und dauert etwa 20 bis 30 Minuten.
Für wen geeignet?
Hand drauf: Gemischte Runden aus Kartenspiel-Nerds und Neulingen, die Uno leid sind, aber nichts Kompliziertes lernen wollen.
Finger weg: Skat-Experten und alle, die Stichspiele grundsätzlich ablehnen.
„Tricky Teams“: Für wen bist du eigentlich?
Vier Teams – Mäuse, Frösche, Eidechsen und Vögel – treten im Wald gegeneinander an. Jede Karte hat einen Zahlenwert von 1 bis 10. Der Startspieler legt eine Karte aus, der nächste muss eine andere Farbe ablegen. Die übrigen Spieler entscheiden, welchem Team sie beitreten, indem sie die passende Farbe ausspielen. Die Kartenbeute wird unter den Mitgliedern des Teams aufgeteilt, das den Stich mit der höchsten Summe gewinnt. Sonderfähigkeiten der Einser-Karten ermöglichen Bündnisse: Zwei Einser ergeben 11 Punkte, drei Einser sogar 111. Das Spiel von Florian Biege, Marc-Uwe Kling und Jan Cronauer ist für drei bis sechs Personen ab zehn Jahren geeignet und dauert rund 30 Minuten.
Für wen geeignet?
Hand drauf: Freunde des gehobenen Kartenspiel-Trashtalks.
Finger weg: Spieler, die lieber in einem festen Team siegen oder untergehen.
„Hero Story“: Eine Geschichte in 40 Stichen
Autor Jamey Stegmaier erzählt in Hero Story die Geschichte eines Superhelden über fünf Runden mit je acht Stichen. Man entwickelt sein Charaktertableau weiter und schaltet mächtigere Sonderfähigkeiten frei. Die Helden sind nicht perfekt ausbalanciert, aber mit Erfahrung und Taktik lassen sich alle zum Sieg führen. Entscheidend ist die Wahl zwischen Held oder Schurke – also ob man Stiche gewinnen oder verlieren möchte. Das Spiel von Jamey Stegmaier und Pete Wissinger ist für eine bis fünf Personen ab 14 Jahren geeignet und dauert rund 45 Minuten.
Für wen geeignet?
Hand drauf: Comicfans und Freunde erzählerischer Tiefe.
Finger weg: Entscheidungsunlustige und Superhelden-Muffel.
„Panda Spin“: Manchmal muss man verlieren, um zu gewinnen
Bei Panda Spin geht es darum, als Erster alle Karten loszuwerden. Wer einen Stich nicht gewinnt, bekommt die Karten gedreht zurück, was ihren Wert und ihre Effekte verstärkt. Taktisches Verzichten kann sich also lohnen. Das Spiel von Carl Chudyk ist für zwei bis fünf Personen ab 14 Jahren geeignet und dauert rund 25 Minuten.
Für wen geeignet?
Hand drauf: Liebhaber asiatischer Kunst und Taktik-Feinschmecker.
Finger weg: Bauchgefühl-Spieler und rustikale Kartenklopper.
„Der Herr der Ringe: Die Gefährten“: Wieder unterwegs zum Schicksalsberg
In diesem kooperativen Stichspiel schlüpfen die Spieler in die Rollen von Frodo, Gandalf und anderen Gefährten. Über 18 Kapitel wird die Geschichte des ersten Bandes der Trilogie durchgespielt. Gemeinsam müssen Aufgaben gelöst werden, die von Partie zu Partie schwieriger werden. Das Spiel erinnert an „The Crew“, ist aber thematisch und optisch neu gestaltet. Die Fortsetzung „Die zwei Türme“ ist bereits erschienen. Das Spiel von Bryan Bornmueller ist für eine bis vier Personen ab zehn Jahren geeignet, pro Kapitel etwa 20 Minuten.
Für wen geeignet?
Hand drauf: Feste Spielrunden, die eine fortlaufende Geschichte erleben möchten.
Finger weg: Spieler, die nach einer Niederlage im kooperativen Spiel Schuldzuweisungen beginnen.



