Holzkunst aus Resten: Drei Generationen vereint auf dem Kunstmarkt in Mirow
Holzkunst aus Resten: Drei Generationen vereint

Einzigartige Holzkunst aus vermeintlichen Abfällen

Der Makel macht für Johanna de Vos das Holz erst so richtig wertvoll. Die Designerin stellt schlichte Servierbretter her, die jedes für sich ein Kunstwerk sind. „Alles von der Natur gemalt“, sagt sie. Ast- und Rindeneinschlüsse im Holz, die der Möbeltischler verschmäht, sind für Johanna de Vos Grundlage ihrer Arbeit. Als die studierte Kunsthistorikerin vor zwölf Jahren in die Müritzregion kam, war daran noch nicht zu denken.

Ein Kinderbett als Startschuss

Damals wollte sie einfach nur für ihre gerade geborene Tochter ein Kinderbett bauen. Mit ihrem Mann Jakob Zunk, einem studierten Forstwirt, hatte sie bis dahin bei Antwerpen gewohnt und dort als Kuratorin in einem Museum gearbeitet. „Wir hatten uns in Berlin kennengelernt. Und nachdem er zunächst mir nach Holland gefolgt war, war es nun an mir, ihm zu folgen“, sagt sie. Denn in der Müritzregion gab es für ihn die Chance, als Förster zu arbeiten. „Was ich beruflich mache, war noch unklar“, sagt Johanna de Vos.

Das sollte sich ziemlich schnell klären. „Auf dem Forsthof in Troja gab es eine Tischlerei. Da habe ich die ersten Bretter entdeckt, die nicht einfach nur eine typische Maserung hatten, sondern Landschaftsbilder waren“, sagt sie. Was Außenstehende für eine Schnapsidee halten könnten, war für Johanna de Vos der volle Ernst: „Aus den vermeintlichen Abfallstücken baue ich Frühstücksbretter. Keine Massenware, sondern jedes ein Unikat“, ist sie überzeugt.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Vom Tischler gelernt

Johanna de Vos hatte, wie sie selbst sagt, das große Glück, in einer Tischlerei in Krümmel alles Nötige zu lernen: „Da wurde mir alles beigebracht. Der Umgang mit den Maschinen und mit dem Holz.“ Seit 2018 lebt sie mit ihrer Familie – zu Tochter Johanna gesellten sich noch die Söhne Oskar und Abel – auf dem Pfarrhof in Lärz und hat dort ihre eigene Werkstatt.

Unter dem Label „Jakob & Johanna“ entwirft und produziert sie Frühstücksbretter, Messerhalter, Eierhalter. Regelmäßig steht sie mit ihren Produkten auf Kunstmärkten. „Mein erster Markt war der Kunstmarkt in Mirow, seitdem bin ich jedes Jahr dabei.“ In diesem Jahr verhalf sie dem beliebten Markt zu einer Premiere. „Meine Eltern wollten uns genau an dem Markt-Wochenende besuchen. Das musste ich absagen“, erzählt sie.

Markt als zweites Zuhause

Doch so leicht ließen sich die Eltern nicht abwimmeln. Ein Markt ist für sie kein Hindernis, sondern wie ein zweites Zuhause. „Ich stamme aus einer Familie, die seit vielen Generationen einen Käsebauernhof in Holland betreibt und den Käse selbst vermarktet. Meine Mutter steht mehrmals in der Woche auf dem Markt. Und ich habe als Kind und Jugendliche genau wie meine fünf Geschwister viel mitgeholfen“, sagt Johanna de Vos.

Wie wäre es, wenn ihre Mutter in Mirow einen Stand mit echtem, handgemachtem Gouda-Käse auf dem Kunstmarkt betreibt? Ulla Pape und den anderen Mitgliedern im Inselverein, der seit vielen Jahren den Markt organisiert, gefiel die Idee. Und so kam es, dass auf dem Frühlingskunstmarkt vor dem Mirower Schloss Marlies de Vos Käselaibe aus der niederländischen Provinz Seeland verkaufte, während ihre Tochter am Stand gegenüber Holzkunst und Enkelin Hanna nebenan Schlüsselanhänger zum Selbermachen anbot. Drei Generationen auf einem Markt.

400 Käse pro Tag

Die Kunden staunten nicht schlecht, als sie erfuhren, dass Marlies de Vos auf ihrem Hof in Biervliet an vier Tagen die Woche täglich 400 Käse herstellt. „Die Milch stammt von unseren 275 Kühen, jeden Käse hatte ich mindestens zehnmal in der Hand“, erzählt sie. An den Tagen, wo sie keinen Käse macht, steht sie auf dem Markt oder erledigt die Buchhaltung.

„Meine Eltern lieben ihre Arbeit so sehr, dass sie nie Urlaub machen. Ich kann mich jedenfalls an keinen erinnern“, sagt Johanna de Vos. „Ich fand das nicht schlimm. Unser Hof war immer der Ort, an dem wir uns verwirklichen konnten.“ So hält sie es auch auf ihrem Pfarrhof in Lärz. „Ich lebe gerne in Mecklenburg. Hier lässt sich noch so vieles gestalten.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Pfingstbesuch in Lärz

Wer den Pfarrhof und die Werkstatt „Jakob & Johanna“ in Lärz kennenlernen möchte, hat dazu am Pfingstwochenende Gelegenheit. „Wir beteiligen uns an der Aktion ,Kunst offen‘ und freuen uns über jeden Besuch“, kündigt Johanna de Vos an.