Messerschleifer Rainer belebt alte Tradition auf Templiner Wochenmarkt
Messerschleifer Rainer: Alte Tradition auf dem Wochenmarkt

Jeden ersten Freitag im Monat verwandelt Rainer Regling den Templiner Wochenmarkt in eine mobile Schleifwerkstatt. Der 65-Jährige, der sich selbst „Messerschleifer-Rainer“ nennt, bringt stumpfe Klingen wieder auf Vordermann. Mit konzentrierter Ruhe führt er die Messer im richtigen Winkel ans Schleifband, wischt den Staub ab und prüft die Schärfe. „Jedes Messer hat eine Seele“, sagt er und lächelt.

Vom Büro zur Schleifmaschine

Regling stammt aus der Schorfheide und lernte zunächst Betriebsschlosser, später absolvierte er ein Ingenieurstudium. Doch die Büroarbeit wurde ihm zu eintönig. „Ich wollte wieder etwas mit den Händen machen, bei dem Geschick gefragt ist“, erzählt er. Seine Leidenschaft für scharfe Klingen entdeckte er früh. Heute kennt er rund 2500 verschiedene Stahlarten und fachsimpelt gern darüber.

Meister ohne Lehre

Den Meistertitel erwarb Regling ohne formale Ausbildung – ganz in der Tradition der fahrenden Messerschleifer. Ein Berliner Messerschmied prüfte ihn: Er ließ sich ein von Regling geschliffenes japanisches Messer zeigen und brummte zufrieden „Gut so“. Damit war die Gesellenprüfung bestanden. „Darüber muss ich heute noch lachen“, sagt Regling.

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Historische Wurzeln des Handwerks

Der Beruf des Messer- und Scherenschleifers entwickelte sich ab etwa 1500 aus dem Waffenschmiedehandwerk. Mit der steigenden Nachfrage nach Hieb- und Stichwaffen sowie später nach Küchenmessern und Scheren wuchs der Bedarf an Spezialisten. Dennoch ist der Beruf bis heute kein anerkannter Ausbildungsberuf, sondern wird angelernt. Regling musste sich sein Wissen mühsam zusammensuchen, denn viele erfahrene Schleifer hüten ihre Geheimnisse.

Ein Maskottchen mit Tradition

Seit kurzem begleitet ein Plüschäffchen Regling an seinem Stand. Es erinnert an den jahrhundertealten Brauch, dass fahrende Schleifer lebende Äffchen mitführten, um Kunden anzulocken. Die Redewendung „sitzen wie ein Affe auf dem Schleifstein“ stammt daher. Das Maskottchen sorgt für Schmunzeln und weckt Neugier.

Angebot und Kontakt

Regling ist regelmäßig zwischen Havelland, Prignitz, Barnim und Uckermark unterwegs. Neben dem Markt in Templin (jeden ersten Freitag im Monat, vor Feiertagen auch donnerstags) können Kunden ihre stumpfen Klingen auch in seine Werkstatt in Fehrbellin bringen. Dort schärft er Äxte, Küchenmesser, Heckenscheren, Sensen und Rasiermesser. Kontakt: www.Messerschleifer-Rainer.de

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