Münchner Auktionshaus Neumeister schließt nach 68 Jahren: Ende einer Ära in der Barer Straße
Auktionshaus Neumeister schließt nach 68 Jahren in München

Das Ende einer Münchner Institution: Auktionshaus Neumeister schließt nach 68 Jahren

Eine bedeutende Ära im Münchner Kunsthandel geht zu Ende: Das traditionsreiche Auktionshaus Neumeister in der Barer Straße 37 beendet nach 68 Jahren seinen Geschäftsbetrieb. Die Entscheidung fällt mit dem Ende der zweiten Generation des Familienunternehmens, das seit 1958 die Kunstszene der bayerischen Landeshauptstadt mitgeprägt hat.

Von Rudolf Neumeister gegründet: Aufstieg in die Spitzenliga

Es war Rudolf Neumeister, der dem Unternehmen 1958 seinen Namen gab und es in den folgenden Jahrzehnten zu einem der führenden Auktionshäuser Deutschlands aufbaute. Unter seiner Führung entwickelte sich Neumeister zu einer Adresse für internationale Prominenz und Kunstliebhaber gleichermaßen. Zu den prominenten Kunden zählten Operndiva Maria Callas und Reeder Aristoteles Onassis.

Besondere Verbindungen ergaben sich durch Neumeisters Tätigkeit als Honorarkonsul von Jordanien: Selbst König Hussein und Kronprinz Hassan statteten dem Haus Besuche ab. Auch Prinzessin Soraya, die ehemalige Frau des Schahs von Persien, gehörte zum illustren Kundenkreis des Münchner Auktionshauses.

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Katrin Stoll führt Familienunternehmen zu Ende

1983 trat Rudolf Neumeisters Tochter, Katrin Stoll, in das Familienunternehmen ein und übernahm 2008 die alleinige Geschäftsführung. Nun beendet sie den Geschäftsbetrieb zum Ende Oktober dieses Jahres. "Die Zeit bei Neumeister hat mich unglaublich bereichert: durch die Kunst, aber auch durch die wunderbaren Menschen, denen ich begegnet bin", erklärt Stoll.

Rund zwanzig Mitarbeiter sind von der Schließung betroffen. Auch das historische Gebäude in der Barer Straße 37 wurde bereits verkauft, da sich die Erbengemeinschaft der Familie auflöst. Eine Fortführung des Unternehmens scheiterte zudem daran, dass Stolls Kinder sich für andere Berufswege entschieden haben.

Breites Spektrum und besondere Auktionen

Was Neumeister besonders auszeichnete, war das außergewöhnlich breite Angebotsspektrum. Das Haus versteigerte nicht nur Alte Meister, moderne und zeitgenössische Kunst, sondern auch Graphiken, Antiquitäten, Silber, Porzellan und Schmuck. Eine besondere Verbindung bestand zum Maler Carl Spitzweg, dessen Werke regelmäßig über Neumeister neue Eigentümer fanden.

Unter Katrin Stolls Führung kamen thematische Sonderauktionen hinzu wie "Vintage Culture", "Plastic Fantastic" zur Kulturgeschichte des Kunststoffs oder "Chair Affair" mit ausschließlich Sitzmöbeln. 2022 erregte die Versteigerung des kompletten Modenachlasses der verstorbenen Schauspielerin Hannelore Elsner mit über 1400 Einzelstücken besondere Aufmerksamkeit.

Provenienzforschung und Aufarbeitung der NS-Vergangenheit

Neben Versteigerungen bot Neumeister auch Schätzungen, Privatverkäufe und umfangreiche Provenienzforschung an. Dabei machte Katrin Stoll nicht vor der eigenen Vergangenheit Halt: Nach einem Archivfund zum Vorgängerunternehmen Weinmüller, das 1958 übernommen worden war, deckte das Haus Verstrickungen in die NS-Zeit auf.

Innerhalb weniger Wochen digitalisierte Neumeister den gesamten Datensatz und machte ihn öffentlich zugänglich. "Ich sah immer eine große Verpflichtung des Kunsthandels, Licht ins Dunkel zu bringen, um in Restitutionsfällen zu fairen und gerechten Lösungen zu kommen", betont Stoll und fordert "genaues Hinschauen statt Wegschauen."

Letzte Sommerauktion im Juni

Die letzte reguläre Auktion findet am 24. Juni statt, Einlieferungen werden noch bis Mitte Mai angenommen. "Und für die Beendigung des Geschäftsbetriebes soll niemand einen Nachteil erleiden", versichert Katrin Stoll: "Hierfür stehe ich persönlich ein."

Mit der Schließung von Neumeister verliert München nicht nur ein Auktionshaus, sondern eine Institution, die über Jahrzehnte das kulturelle Leben der Stadt mitgestaltet hat. In einer Zeit, in der Kunst zunehmend als reine Kapitalanlage betrachtet wird, betont Stoll die Philosophie ihres Hauses: "Wir haben mit Leidenschaft für die Kunst und ihre gestalterische Kraft gearbeitet."

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