Banksys Identität möglicherweise enttarnt: Reuters enthüllt Details
Banksy, der weltberühmte Street-Art-Künstler und politische Aktivist, dessen bürgerlicher Name lange ein gut gehütetes Geheimnis blieb, könnte nun enttarnt worden sein. Laut einer umfangreichen Recherche der Nachrichtenagentur Reuters handelt es sich bei dem Mann hinter dem Pseudonym um den 1973 geborenen Briten Robin Gunningham aus Bristol.
Jahrelange Spekulationen und neue Belege
Schon 2008 war der Name Robin Gunningham in der britischen Zeitung Mail on Sunday gefallen, doch wirklich sicher war man sich damals nicht. Reuters hat nun in einer aufwendigen Untersuchung erstaunlich viele Indizien zusammengetragen, die für diese Zuschreibung sprechen. Dazu gehören Zeugenaussagen, ein Tattoo auf dem Unterarm sowie alte Akten aus den USA wegen einer Ordnungswidrigkeit, ein typischer Vorwurf an Straßenkünstler. Ein Geständnis wurde seinerzeit handschriftlich mit dem Namen Robin Gunningham unterzeichnet.
Interessanterweise soll Banksy alias Gunningham sich mittlerweile allerdings David Jones nennen, in Großbritannien ein Allerweltsname. Seine mit Schablonen hergestellten Graffitis, wie das ikonische Girl with Balloon, hat der Künstler in vielen Ländern hinterlassen und sorgt regelmäßig für internationales Aufsehen, sobald ein neues Werk auftaucht.
Politische Botschaften und internationale Projekte
Banksys Motive sind oft gesellschaftskritisch und hochpolitisch, manche Werke erzielen auf dem Kunstmarkt Millionenwerte. Über seine Firma Pest Control bekannte er sich zu größeren Projekten, darunter ein düsterer Freizeitpark in Großbritannien 2015 und ein Hotel im palästinensisch verwalteten Betlehem 2017 mit Blick auf israelische Sperranlagen. Die Reuters-Journalisten nahmen die Spur sogar im ukrainischen Ort Horenka auf, wo Banksy offenbar mit dem Massive-Attack-Musiker Robert Del Naja zusammengearbeitet haben soll.
Reaktion des Anwalts und Verteidigung der Anonymität
Mark Stephens, der Anwalt des Sprayers, reagierte auf die Anfragen von Reuters nicht mit einer Bestätigung, sondern wies viele der genannten Details als unzutreffend zurück. Stattdessen verteidigte er die Anonymität von Künstlern im Allgemeinen. Sie schütze die Meinungsfreiheit, indem sie Kreativen erlaubt, Mächtigen die Wahrheit zu sagen, ohne Angst vor Vergeltung, Zensur oder Verfolgung – insbesondere bei sensiblen Themen wie Politik, Religion oder sozialer Gerechtigkeit, so Stephens. Er bat Reuters sogar, den Bericht nicht zu veröffentlichen, doch die Agentur entschied sich anders.
2010 hatte das Magazin Time Banksy zu einer der einflussreichsten Personen der Welt gekürt. Sein Mythos und die Unkenntnis seines bürgerlichen Namens waren stets Teil seiner Strahlkraft. Ob die Enthüllung von Reuters nun endgültig ist, bleibt abzuwarten, doch sie wirft erneut Licht auf das Spannungsfeld zwischen Kunst, Anonymität und öffentlichem Interesse.



