Rätselhaftes Barlach-Werk: Der schwebende Engel im Güstrower Dom
Barlachs schwebender Engel im Güstrower Dom

Rätselhaftes Barlach-Werk: Der schwebende Engel im Güstrower Dom

Im Herzen der Barlachstadt Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern verbirgt der imposante Güstrower Dom im Stil der Norddeutschen Backsteingotik eine geheimnisvolle Weltberühmtheit. Die Stadt, einst Residenz der Mecklenburgischen Herzöge, explodiert geradezu vor kulturellen Sehenswürdigkeiten – vom prächtigen Renaissanceschloss über die spätgotische Gertrudenkapelle bis hin zum Wildpark MV. Doch für Kunstinteressierte mit begrenzter Zeit lohnt sich eine Fokussierung auf den expressionistischen Bildhauer Ernst Barlach, der hier von 1910 bis 1938 lebte und wirkte.

Güstrow als Barlachstadt: Ein kulturelles Juwel

Güstrows Altstadt beeindruckt mit Fachwerkarchitektur, Backsteingotik und imposanten Bürgerhäusern, doch der Ort trägt nicht ohne Grund den Beinamen Barlachstadt. Zu den kulturellen Perlen zählen das Ernst-Barlach-Museum und die Gertrudenkapelle, die 1953 als erstes Barlach-Museum eröffnet wurde. Dieser spätgotische Backsteinbau aus dem 15. Jahrhundert beherbergt etwa 30 Plastiken und Reliefs aus Barlachs Güstrower Zeit, darunter Werke wie „Lesende Klosterschüler“ oder „Der Zweifler“. In den Sommermonaten dient die Kapelle zudem als stimmungsvolle Spielstätte für Konzerte.

Der Schwebende: Ein Ehrenmal mit dramatischer Geschichte

Weltberühmt ist jedoch „Der Schwebende“, den Barlach 1927 als Ehrenmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs für den Güstrower Dom schuf. Die Plastik zeigt einen Engel mit geschlossenen Augen, dessen Gesicht die Züge der befreundeten Künstlerin Käthe Kollwitz trägt. Am 23. August 1937 wurde das Werk von den Nationalsozialisten als „entartete Kunst“ entfernt und später eingeschmolzen. Dank des besonderen Engagements von Barlachs Lebensgefährtin Marga Böhmer und mutiger Freunde konnte 1939 ein Zweitguss gerettet werden, der zunächst in der Lüneburger Heide versteckt und später in der Kölner Antoniterkirche aufgestellt wurde.

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Wiederkehr und weitere Werke im Dom

Von diesem Zweitguss ließ sich eine neue Gussform anfertigen, die die Rückkehr des Schwebenden nach Güstrow ermöglichte. Seit dem 8. März 1953 schwebt der Engel wieder im Dom – ein Symbol der künstlerischen Widerstandskraft. Zwei weitere Barlach-Werke bereichern den sakralen Raum: „Der Gekreuzigte“, ein Entwurf von 1918 für einen Soldatenfriedhof, und „Der Apostel“, ein Terrakottarelief aus dem Jahr 1925. Eine Gedenktafel an der Gertrudenkapelle erinnert an Marga Böhmer, deren unermüdlicher Einsatz Barlachs Wunsch verwirklichte, seine Werke an diesem würdigen Ort auszustellen.

Führungen durch den Güstrower Dom bieten vertiefende Einblicke in diese faszinierende Kunstgeschichte und können nach Voranmeldung unter der Telefonnummer 0 38 43 / 68 24 33 gebucht werden. Güstrow beweist damit, dass selbst eine Stadt mit rund 30.000 Einwohnern ein überragendes kulturelles Erbe bewahren und präsentieren kann.

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