Tote Deutsche von Seuchenschiff: Leiche wird sofort verbrannt
Tote Deutsche: Leiche von Seuchenschiff verbrannt

Rotterdam (Niederlande) – Die Sonne ist hinter der „Hondius“ untergegangen, es ist still geworden im Hafen von Rotterdam. Zwei Bestatter in hellblauen Schutzkitteln und mit einem Leichensack kommen kurz nach 22 Uhr. Sie verschwinden mit fünf Besatzungsmitgliedern im Bauch des Kreuzfahrtschiffs, um die Leiche der toten Deutschen abzuholen.

Ab Montagnachmittag hatten 22 der verbliebenen 27 Crewmitglieder und Ärzte in Schutzanzügen und mit Masken vor Mund und Nase die „Hondius“ verlassen dürfen. Obwohl jeder von ihnen bis zuletzt symptomfrei war, müssen sie an Land vorerst in Quarantäne oder Selbstisolation. Dafür wurde im Hafen von Rotterdam vorab ein Containerdorf aufgebaut.

Leiche wird sofort im Krematorium verbrannt

Sie waren nach der Evakuierung der Passagiere auf dem Schiff geblieben. Mit ihnen an Bord: der Leichnam einer an den Folgen einer Hantavirus-Infektion gestorbenen Deutschen. Der wurde im Schutz der Dunkelheit von Bord gebracht: Um 22.26 Uhr hievten die Bestatter den Sack eine steile schmale Treppe hinunter auf eine Brücke. Ihr silberner Wagen wartete in einiger Entfernung auf dem abgesperrten Gelände.

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Angehörige bekommen Asche der Toten

Nach Behördenangaben sollte die Leiche von einem spezialisierten Bestattungsunternehmen auf dem Schiff abgeholt werden. Wie die Leiterin der Gesundheitsbehörde der Region Rotterdam-Rijnmond, Yvonne van Duijnhoven, der Nachrichtenagentur AFP sagte, wird die Tote in Absprache mit der Familie umgehend in ein Krematorium in der Nähe des Amsterdamer Flughafens Schiphol gebracht und eingeäschert. Die Asche wird dann der Familie übergeben.

Der Wagen des Bestatters wartete in einiger Entfernung.

Besondere Schutzmaßnahmen bei Bestattung

Bei Verstorbenen mit gefährlichen Infektionskrankheiten gelten oft besondere Schutzmaßnahmen. Die hängen davon ab, wie ansteckend der Erreger nach dem Tod noch ist. Das Hantavirus kann sich weiterhin in Körperflüssigkeiten, Gewebe oder Blut befinden.

Stunden nachdem die „Hondius“ in Rotterdam angelegt hatte, verließen 22 der letzten 27 Menschen an Bord nach und nach das Seuchenschiff.

Deshalb gelten beim Umgang mit dem Leichnam Hygieneregeln und Schutzmaßnahmen für Ärzte, Pathologen und Bestatter. In Deutschland greifen die allgemeinen Regeln des Infektionsschutzes und der Bestattungsgesetze der Länder. Typische Maßnahmen sind: Schutzkleidung für medizinisches Personal und Bestatter, ggf. FFP-Masken. Eine hermetisch versiegelte Spezialbestattung wie bei Ebola ist beim Hantavirus normalerweise nicht erforderlich. Dennoch dürfen die Angehörigen die tote Deutsche vor der Einäscherung offenbar nicht noch einmal sehen.

Schon um die Mittagszeit arbeiteten Einsatzkräfte auf dem Seuchenschiff.

Die von dem Hantavirus-Ausbruch betroffene „Hondius“ hatte ihre Fahrt am Morgen gegen 11 Uhr in den Niederlanden beendet, legte im Hafen von Rotterdam an. Die Seuche war während einer Kreuzfahrt von Argentinien zu den Kapverden ausgebrochen. Drei Passagiere starben, neben der Deutschen ein niederländisches Ehepaar. Das Virus wurde bislang bei sieben Patienten bestätigt, bei einem achten gilt eine Infektion als wahrscheinlich.

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