Berlinale-Chefin Tricia Tuttle in der Kritik: Deutsche Filmakademie verteidigt Unabhängigkeit des Festivals
Berlinale-Chefin Tuttle in der Kritik: Filmakademie verteidigt Festival

Berlinale-Chefin Tricia Tuttle im Kreuzfeuer der Kritik

Die Leiterin der Berlinale, Tricia Tuttle (56, US-Amerikanerin), steht nach einem umstrittenen Auftritt während des Filmfestivals massiv in der Kritik. Auslöser ist ein Propagandafoto, auf dem sie gemeinsam mit der Crew des Films „Chronicles from the Siege“ posiert, die Palästina-Fahnen und -Tücher zeigen. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (61, parteilos) hat daraufhin eine Krisensitzung einberufen und plant offenbar, Tuttle abzulösen.

Deutsche Filmakademie stellt sich gegen politische Einmischung

Die Deutsche Filmakademie reagierte umgehend mit einem offenen Brief, in dem sie sich entschieden gegen den Versuch der politischen Einflussnahme ausspricht. In dem Schreiben heißt es: „Wir appellieren an die politisch Verantwortlichen, die Unabhängigkeit der Berlinale zu garantieren und zu respektieren und die Debatte mit Augenmaß zu führen. Kultur darf nicht zum Spielball politischer Auseinandersetzungen werden.“ Die Akademie betont, dass dieser Schritt ein gefährliches Signal darstelle, das weit über das Festival hinausreiche.

Unterzeichnet wurde der Brief von prominenten Persönlichkeiten der deutschen Film- und Kulturszene, darunter:

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  • TV-Star Iris Berben (75)
  • Filmregisseur İlker Çatak (42)
  • Regisseure Volker Schlöndorff (86) und Wim Wenders (80)
  • Akademie-Präsidentin und Schauspielerin Vicky Krieps (42)

Auch die Europäische Filmakademie in Berlin solidarisierte sich mit Tuttle. Auffällig ist, dass die Stellungnahme der Akademie keine direkte Kritik an den umstrittenen Äußerungen des syrisch-palästinensischen Filmemachers Abdallah Alkhatib (37) enthält, der während der Preisverleihung Israel des Völkermords bezichtigte und Deutschland als Komplizen bezeichnete.

Steuergelder und politische Reaktionen

Die Berlinale wird mit erheblichen öffentlichen Mitteln gefördert. Im vergangenen Jahr wurden die Zuschüsse auf 12,8 Millionen Euro aufgestockt, wobei ein Teil der Gelder explizit zur Stärkung der Arbeit von Intendantin Tricia Tuttle dienen sollte. Vor diesem Hintergrund wird die Debatte um politische Einflussnahme besonders brisant.

Kulturstaatsminister Weimer hat für Donnerstag eine Krisensitzung einberufen, in der über die Zukunft der Berlinale-Leitung entschieden werden soll. Umweltminister Carsten Schneider (50, SPD) hatte bereits während der Preisverleihung den Saal empört verlassen, nachdem Alkhatib drohende Worte gegen Israel gerichtet hatte.

Die Deutsche Filmakademie betont in ihrer Stellungnahme nachdrücklich den Schutz der Kunstfreiheit und die Autonomie kultureller Institutionen. Sie warnt davor, dass politische Interventionen die Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit eines der weltweit bedeutendsten Filmfestivals gefährden könnten.

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