Biennale für Neues Musiktheater: Zwischen Kampfkunst und Kunstkrampf
Biennale: Kampfkunst und Kunstkrampf

Kritik an der Biennale für Neues Musiktheater: Zwischen Kampfkunst und Kunstkrampf

Das städtische Festival für Neues Musiktheater in München sorgt in diesem Jahr mit einer ungewöhnlichen Themenwahl für Diskussionen. Die Beschäftigung mit Martial Arts als Öffnung des Genres ist grundsätzlich zu begrüßen. Doch die Umsetzung lässt bei einigen Produktionen zu wünschen übrig.

„Xochiyaoyotl“: Aztekische Kolibris ohne Kampfkunst

Die Jury wählte „Xochiyaoyotl“ von Maximiliano Soto Mayorga aus 85 Einsendungen aus. Die 50-minütige Performance im Schwere Reiter enttäuscht jedoch: Weder virtuoser Tanz noch Zeremoniell oder Körperbeherrschung sind zu sehen. Stattdessen verbinden sich Urlaute eines Gesangsduos mit Geräuschen einer Kontrabassklarinette. Eine Maya-Hieroglyphe wird mit Besen bearbeitet, und indianische Mythen über Kolibris werden aus dem Off eingespielt. Ein Bezug zur Kampfkunst fehlt völlig. Die Musik – Neue-Musik-Routine für Schlagzeug, E-Gitarre, Kontrabassklarinette und Cello – und die beliebige Performance verbinden sich weder zwingend noch bauen sie einen Kontrast auf. Es ist Musik mit Theater, aber kein Musiktheater.

„Isithunzi“: Esoterik und Exotik im Einstein

Ähnlich esoterisch und exotisch wirkt „Isithunzi“ von Monthati Masebe. Die Komponistin erzählt im Einstein minimalistisch von einer krisenhaften Frauenfreundschaft zwischen Stadt und Land in Afrika. Ihre Bühnenpräsenz ist stark, doch die Handlung bleibt unklar. Die Mitspieler stehen im Halbdunkel einer Wohnküche, singen naiv psalmodierend, begleitet von Vibrafon, Synthesizerklängen und einer Fagottistin im Vogelkostüm. Das kunstlos Laienhafte wirkt nicht unsympathisch, erzeugt aber Ratlosigkeit.

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„Endlich“: Nackte alte Menschen und Nornen

In der Freiheitshalle erwartet die Besucher Japanisches: Drei singende Samurai thronen erhöht in den Ecken. Sie entpuppen sich als Nornen aus Wagners „Götterdämmerung“. Dann fällt Ton vom Himmel, mit dem sich mehrere nackte Personen reiferen Alters einschmieren und auf Stühle festgeklebt werden. Kollektive Nacktheit hat dramaturgisch den gleichen Effekt wie Tiere auf der Bühne: Sie reißt alles mit. Die Musik – Tuba-Geräusche und perkussive Klavierklänge – bleibt jedoch nicht haften. Der Titel „Endlich“ hält, was er verspricht: eine kraftvolle Konfrontation mit der eigenen körperlichen Vergänglichkeit. Aber braucht es dafür Nornen? Die fast stummen Performer bleiben im Gedächtnis, die Musik nicht. Im Musiktheater sollte es eigentlich andersherum sein.

Die Biennale für Neues Musiktheater dauert noch bis zum 20. Mai. Informationen zum Spielplan und Karten gibt es unter www.muenchener-biennale.de.

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