Bundespreis für Parchimer Buchhandlung: Auszeichnung für kulturelles Engagement
Ein unabhängiger Buchladen aus Parchim in Mecklenburg-Vorpommern zählt zu den glücklichen Gewinnern des renommierten Deutschen Buchhandlungspreises. Die feierliche Bekanntgabe der Preisträger erfolgte durch den Staatsminister für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, und die offizielle Verleihung findet im Rahmen der Leipziger Buchmesse statt. Für das Team der Buchhandlung „rein(ge)lesen“ ist diese Ehrung ein besonderer Moment, der perfekt zum elfjährigen Bestehen des Geschäfts in der Parchimer Blutstraße passt.
Überraschung nach anfänglichem Zögern
Eigentümer Tilo Tambach gesteht, dass die Entscheidung zur Teilnahme am Wettbewerb nicht leichtgefallen sei. „Wir wollten nicht einfach mitmachen, sondern etwas Besonderes zeigen“, erklärt er. Nach längerem Überlegen reichte das Team rückwirkend die Veranstaltungen des vergangenen Jahres ein. Die Gewinnbenachrichtigung löste zunächst Unglauben aus: „Zunächst dachten wir, es sei ein Spam“, berichtet Tambach mit einem Schmunzeln. Doch als sich die Glückwünsche häuften, feierte das Team mit Sekt diesen bedeutenden Erfolg.
Der Deutsche Buchhandlungspreis wird seit elf Jahren von der Bundesregierung verliehen und würdigt Buchhandlungen, die sich besonders um die Förderung des Kulturguts Buch und das kulturelle Leben in ihrer Region verdient gemacht haben. Aus insgesamt 483 Bewerbungen wurden in diesem Jahr vier Buchhandlungen aus Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet:
- „Rein(ge)lesen“ in Parchim
- „Frau Rilke“ in Neustrelitz
- „Dahlmanns Bazar“ in Sassnitz
- Die „Strandbuchhandlung“ in Ahlbeck
Institution mit großer Strahlkraft
Über die Jahre hat sich die Buchhandlung „rein(ge)lesen“ zu einer festen Institution in Parchim entwickelt. Das Angebot geht weit über den reinen Buchverkauf hinaus: Das Team organisiert regelmäßig Lesungen und Literaturveranstaltungen, die teilweise bis zu 600 Besucher anziehen, wie beispielsweise im Solitär Parchim. Diese Auszeichnung ist nicht nur eine persönliche Würdigung für das Engagement, sondern auch ein Erfolg für die gesamte Stadt und Region, betont Tilo Tambach. „Es zeigt, dass wir auch ohne große Ketten hochwertige Kultur bieten können“, fügt er stolz hinzu.
Für das laufende Jahr sind bereits weitere Veranstaltungen geplant. Im April finden unter dem Motto „Parchim liest“ Lesungen und Literaturtage statt, die bereits 2024 ins Leben gerufen wurden. Auch im November ist eine Veranstaltungsreihe mit prominenten Gästen in Vorbereitung. Diese kontinuierliche Arbeit trägt maßgeblich zur Belebung des kulturellen Angebots vor Ort bei.
Würdigung der kulturellen Grundversorgung
Staatsminister Wolfram Weimer unterstrich bei der Bekanntgabe die immense Bedeutung von Buchhandlungen, insbesondere in ländlichen Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern. „In einer Zeit, in der Algorithmen vor allem das Bekannte und Verkaufsstarke fördern, bewahren Buchhändlerinnen und Buchhändler die Vielfalt und ermöglichen Entdeckungen“, erklärte er. Buchhandlungen seien unverzichtbare Treffpunkte, die den Zugang zu Bildung, Wissen und Unterhaltung ermöglichen und somit eine essentielle Rolle in der kulturellen Grundversorgung spielen.
Mit dem Deutschen Buchhandlungspreis soll laut Jury die Arbeit unabhängiger Buchhandlungen gestärkt und gewürdigt werden. Die Verleihung der Hauptpreise findet am Donnerstag, dem 19. März, auf der Leipziger Buchmesse statt, wo auch die weiteren Preisträger aus anderen Bundesländern geehrt werden. Für die Parchimer Buchhandlung markiert dieser Preis einen Meilenstein, der die jahrelange engagierte Arbeit in der Literaturszene sichtbar macht und die Bedeutung regionaler Kulturorte hervorhebt.



