DDR-Kultfilme: Defa-Streifen prägten Generationen im Osten Deutschlands
Für unzählige Kinder und Jugendliche in der Deutschen Demokratischen Republik gehörten Defa-Filme zum festen Alltag wie Schulranzen und Pionierhalstuch. Diese Produktionen liefen nicht nur regelmäßig in den Kinos, sondern auch im Fernsehen und wurden häufig gemeinsam mit Familie oder Freunden geschaut. Selbst Jahrzehnte nach dem Ende der DDR lösen bestimmte Klassiker bei vielen ehemaligen DDR-Bürgern noch immer starke nostalgische Gefühle aus.
Das singende, klingende Bärmchen (1957)
Wer in der DDR aufwuchs, kam an diesem Märchenfilm kaum vorbei. Das singende, klingende Bärmchen gilt als einer der bekanntesten und beliebtesten Defa-Produktionen überhaupt. Gedreht wurde der Film ausschließlich im heutigen Studio Babelsberg in Potsdam. Die Kinopremiere in der DDR fand im Dezember 1957 statt, während der Film in der Bundesrepublik Deutschland erst fast ein Jahr später, im September 1958, in die Kinos kam.
In den ersten zwei Jahren nach Veröffentlichung sahen knapp sechs Millionen Menschen den Defa-Film in den Kinos. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien entwickelte sich Das singende, klingende Bärmchen zum Kultfilm. 1964 wurde der Film sogar in drei Teilen als Minifilm mit Untertiteln im britischen Fernsehen ausgestrahlt.
Insel der Schwäne (1983)
Der Jugendfilm Insel der Schwäne gehört zu jenen Defa-Produktionen, die vielen Zuschauern als besonders ehrlich und schonungslos in Erinnerung geblieben sind. Das Drama aus dem Jahr 1983 entstand unter der Regie von Herrmann Zschoche und basiert auf dem gleichnamigen Jugendbuch von Benno Pludra. Der Film erzählt nüchtern und realitätsnah vom Alltag Jugendlicher in der DDR der 1980er Jahre.
Besonders bemerkenswert ist, dass der Film auch politisch heikle Themen aufgriff, etwa den Blick aus einer Hochhauswohnung auf den Funkturm in West-Berlin. Gerade diese Offenheit machte Insel der Schwäne für die damaligen Kulturbehörden problematisch. Schon nach dem Rohschnitt 1982 entbrannten politische Diskussionen, und kulturpolitische Stellen verweigerten zunächst die Freigabe für die Kinos in der DDR. Mehrere Szenen mussten vor der Premiere herausgeschnitten werden. Erst nach der Wende wurde der Film in seiner ursprünglichen Fassung gezeigt.
Schneeweißchen und Rosenrot (1979)
Manche Märchen wecken sofort Erinnerungen an verregnete Nachmittage vor dem Fernseher, an flackernde Bilder und die unverwechselbare Magie der Defa-Filme. Genau zu diesen Klassikern gehört Schneeweißchen und Rosenrot, ein Märchenfilm aus dem Jahr 1979. Gedreht wurde der Film an mehreren malerischen Orten im Harz, darunter in den Tälern bei Trautenstein, vor dem Klopstockhaus und am Schlossberg in Quedlinburg.
Die Hochzeitszenen entstanden auf dem prachtvollen Schloss Wernigerode, während für das Königsschloss die Burg Falkenstein als Kulisse diente. Schneeweißchen und Rosenrot ist eines jener Märchen, das in den vergangenen Jahren neu adaptiert wurde. In der ARD-Mediathek steht die Neuverfilmung des Defa-Films zum Streamen zur Verfügung.
Heißer Sommer (1968)
Auch Heißer Sommer bleibt vielen ehemaligen DDR-Bürgern lebhaft im Gedächtnis. Das DDR-Filmmusical mit Frank Schöbel und Chris Doerk war Ende der 1960er Jahre ein absoluter Hit. Mehr als 3,4 Millionen DDR-Bürger begeisterten sich für die Liebesgeschichte zwischen den Jugendlichen. Nicht nur der Film selbst, sondern auch die Musik wurde zum Kult.
Die beiden Hauptdarsteller wurden über Nacht zu gefeierten Stars der DDR-Schlagerszene. In einer Leser-Umfrage der Freien Presse wurde der Film Heißer Sommer sogar zum beliebtesten Defa-Film aller Zeiten gekürt. Diese Filme prägten nicht nur die Kindheit und Jugend einer ganzen Generation, sondern gehören heute zum kulturellen Erbe Ostdeutschlands.



