DEFA-Klassiker: Zwei DDR-Stars prägen den fast vergessenen Film 'Die Schlüssel'
DEFA-Film 'Die Schlüssel': Zwei DDR-Stars prägen Klassiker

DEFA-Klassiker: Zwei DDR-Stars prägen den fast vergessenen Film 'Die Schlüssel'

Berlin • Der DEFA-Film "Die Schlüssel" aus den frühen 1970er-Jahren ist heute nur noch Insidern ein Begriff, doch er vereint zwei ikonische Darsteller der ostdeutschen Filmgeschichte: Jutta Hoffmann und Jaecki Schwarz. Unter der Regie von Egon Günther entstand ein Werk, das nicht nur künstlerisch ambitioniert war, sondern auch massiv unter der Zensur in der DDR und Polen litt. Die DEFA-Stiftung hat den Film nun zum DEFA-Film des Monats gekürt, anlässlich des 85. Geburtstags von Jutta Hoffmann am 3. März.

Zensur und historischer Kontext

Normalerweise hatten DEFA-Filmemacher vor allem mit den Zensurorganen der DDR zu kämpfen, wenn sie sich an brisante Themen wagten. Regisseur Egon Günther, bekannt für seine kritischen Werke, erlebte dies mehrfach. Sein Film "Die Schlüssel" geriet jedoch in die Mühlen der Zensur zweier Ostblock-Staaten. Wie der Filmwissenschaftler Philipp Zengel von der DEFA-Stiftung recherchierte, nahmen nicht nur ostdeutsche Prüfer das Werk unter die Lupe, sondern auch polnische Kulturpolitiker. Dies spiegelt den historischen Kontext wider: Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschten zwischen Polen und Deutschen lange Misstrauen und Feindschaft, geprägt durch propagandistische Klischees.

Erst Machtwechsel in beiden Ländern – Edward Gierek löste 1970 Władysław Gomułka in Polen ab, und Erich Honecker gewann 1971 den Machtkampf gegen Walter Ulbricht in der DDR – führten zu einer Annäherung. Ab 1972 war visafreier Grenzverkehr möglich, doch der Film "Die Schlüssel" blieb ein Opfer der politischen Spannungen.

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Handlung und künstlerische Umsetzung

Zum Plot: Ric (Jutta Hoffmann), eine lebenslustige Arbeiterin aus einem Glühlampenwerk, und Klaus (Jaecki Schwarz), ein vorbildlicher Student, verlieben sich und planen ihren ersten Urlaub in Polen. Sie hoffen, den DDR-Alltag gegen das "freiere Polen" einzutauschen. Am Flughafen treffen sie auf ein unbekanntes Ehepaar aus Krakau, das ihnen die Schlüssel zu seiner Wohnung anvertraut. Das Drehbuch stammt von Helga Schütz, der damaligen Lebensgefährtin Günthers, und wurde von April bis Juli 1972 vornehmlich in Krakau und Stettin gedreht.

Günthers Regiestil war für die damalige Zeit revolutionär: Er ließ viel Raum für Improvisationen, nutzte reale Drehorte, dynamische Kameraführung und natürliches Licht. Der polnische Filmwissenschaftler Andrzej Gwóźdź beschreibt ihn als Paradebeispiel einer "dekretierten Neuen Welle" in der DDR-Kinematographie. Dennoch wurde der Film stark zensiert: Szenen mit dem polnischen Bischof Stefan Wyszyński, dem Rockstar Czesław Niemen und einer Gedenktafel für im Zweiten Weltkrieg ermordete Polen wurden gekürzt oder komplett entfernt.

Karrieren der Hauptdarsteller

Jutta Hoffmann und Jaecki Schwarz standen am Beginn großer Karrieren, als sie in "Die Schlüssel" auftraten. Hoffmann hatte bereits in mehreren DEFA-Filmen mitgewirkt, darunter "Der Dritte" (1971) unter Günthers Regie. Schwarz war bekannt aus "Ich war neunzehn" (1968). Beide hatten zuvor schon gemeinsam in dem Roadmovie "Weite Straßen – stille Liebe" (1969) mit Manfred Krug gespielt. Hoffmanns Monolog zur Gleichberechtigung von Mann und Frau in einer leeren Straßenbahn gilt als Höhepunkt des Films und zeigt ihre schauspielerische Brillanz.

Rezeption und Nachwirkungen

Nach der Premiere am 21. Februar 1974 im Berliner Kino International wurde es "Die Schlüssel" nicht leicht gemacht: Es gab nur wenige Kopien, eine Exportsperre wurde verhängt, und der Film lief nie im DDR-Fernsehen. Als der visafreie Reiseverkehr zwischen Polen und der DDR gestoppt wurde, durfte er gar nicht mehr gezeigt werden. Die Filmkritik in der DDR äußerte sich skeptisch bis ablehnend, wich inhaltlichen Themen wie dem deutsch-polnischen Verhältnis oder der Gleichberechtigung aus.

Heute ist der Film in der DEFA-Filmwelt auf YouTube verfügbar. Jutta Hoffmann, die 2017 den Deutschen Schauspielerpreis erhielt, hat sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Jaecki Schwarz ist weiterhin aktiv, bekannt aus Serien wie "Ein starkes Team". Der Film "Die Schlüssel" bleibt ein faszinierendes Zeitdokument, das die Grenzen der künstlerischen Freiheit in der DDR aufzeigt und zwei legendäre Stars in frühen Rollen präsentiert.

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