Elena Bonelli: Die Stimme Roms erfüllt das Deutsche Theater mit römischer Tradition und Pasolini-Hommage
Sie wird als „Die Stimme Roms“ bezeichnet, ein Ehrentitel, der nicht politisch, sondern musikalisch gemeint ist. Elena Bonelli, eine renommierte römische Sängerin, bringt am Sonntag, dem 22. März, ihre einzigartige Kunst in den Silbersaal des Deutschen Theaters in München. Mit einem Programm, das traditionelle Lieder, gesellschaftliche Analysen und eine Hommage an den großen Intellektuellen Pier Paolo Pasolini vereint, verspricht sie ein unvergessliches Erlebnis.
Von Monte Mario bis München: Eine musikalische Reise durch Rom
In ihrer Wohnung auf dem Monte Mario, einem der Hügel Roms, genießt Elena Bonelli einen atemberaubenden Blick über die Ewige Stadt. Ihr Leben ist geprägt von der reichen Geschichte und Kultur Roms, die sie durch ihre Musik zum Leben erweckt. „Ich singe traditionelle Lieder als Römerin, die die Geschichte Roms erzählen kann“, erklärt Bonelli. Ihre Kunst ist eine Form der Popularisierung der Tradition, die sie in die Gegenwart führt, um sie lebendig zu halten.
Während viele Besucher die neapolitanische Tarantella kennen, betont Bonelli die römischen Wurzeln: „In Rom spielt und tanzt man eher Formen der Volte oder Gagliarda, ein Stil seit dem 17. Jahrhundert, der aus der Toskana kam.“ Ihr Auftritt im Deutschen Theater wird diese authentischen Klänge präsentieren, darunter auch den rhythmischen Saltarello, einen traditionellen römischen Tanz im Dreiertakt.
Pasolini und die Romanità: Eine Hommage an einen Außenseiter
Im vergangenen Jahr entwarf Bonelli ein spezielles Programm zum 50. Todestag von Pier Paolo Pasolini, der 1975 in Ostia brutal ermordet wurde. „Pasolini war einer der größten Künstler des modernen Italiens“, sagt sie. „Er hat mit seinem Intellekt Italien durchschaut, Entwicklungen vorhergesehen und war immer auf der Seite der Außenseiter.“ Ihr Programm „Pasolini e i altri“ umfasst Texte über ihn und seine Werke, begleitet von eigens komponierten Melodien.
Pasolini, ursprünglich aus dem Friaul, wurde durch sein Leben in den römischen Vororten zum Chronisten der Stadt. „Er hat den Dialekt und Lebensstil umarmt, wie Rom ihn umarmt hat“, so Bonelli. Diese Verbindung zwischen Pasolini und Rom spiegelt sich in ihrer Musik wider, die eine grandiose Romanità – eine kulturelle Emotion – vermittelt.
Römische Gesellschaft und Identität: Einblicke von einer Insiderin
Bonelli analysiert auch die römische Gesellschaft mit scharfem Blick. „Römer-Sein ist ein Privileg“, betont sie, verweist aber auf die Arroganz, die aus der historischen Aura der Stadt resultiert. Sie beschreibt ein Klassensystem mit Snobismus in kulturellen Eliten und einer linksgerichteten Bourgeoisie, die exklusiv auftritt. „In Rom wird alles politisch kategorisiert, jeder gehört zu einer Gruppe“, erklärt sie, behält aber für sich eine völlige Unabhängigkeit bei.
Ihr Konzept von „Mamma Roma“ als einer übermütterlichen Figur, die alle umarmt, ohne Identität zu verlieren, unterstreicht die inklusive Natur der Stadt. „Wenn Du in Rom bist, gibt dir Mamma Roma das Gefühl, schon immer dagewesen zu sein und dazuzugehören“, sagt Bonelli.
Was erwartet die Besucher im Deutschen Theater?
Der Auftritt im Silbersaal verspricht eine vielseitige Darbietung:
- Traditionelle römische Lieder, darunter Liebeslieder und Geschichten über Eifersuchtsdramen.
- Der Saltarello und andere Tänze, die die römische Kultur lebendig machen.
- Auszüge aus dem Pasolini-Programm, das Anna Magnani und andere einbezieht.
- Eine Mischung aus neapolitanischen Einflüssen, um das Publikum zu überraschen.
Bonelli fasst es zusammen: „Ich werde Euch Rom erzählen und spüren lassen durch die Musik.“ Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr, Eintritt kostet 39 Euro. Es ist eine Gelegenheit, die Seele Roms durch die Stimme einer ihrer bedeutendsten Interpretinnen zu erleben.



