Premiere in Neustrelitz: Paul Linckes Operette „Frau Luna“ begeistert mit utopischer Mondreise
„Frau Luna“-Premiere in Neustrelitz: Utopische Mondreise begeistert

Utopische Mondreise begeistert bei „Frau Luna“-Premiere in Neustrelitz

Die berühmte Operette „Frau Luna“ von Paul Lincke hat am Landestheater Neustrelitz eine fantastische Premiere gefeiert. Das Publikum war begeistert von der beschwingten Inszenierung, die am Samstagabend umjubelt wurde. Besonders herausragend war die Hauptdarstellerin Laura Albert in der Rolle der Präsidentin des Mondstaates. Ihre beeindruckende Ausstrahlung, ihre Darstellungskunst und vor allem ihr facettenreicher Gesang wurden vom Publikum mit lautstarkem „Bravo“ und anhaltendem Applaus gewürdigt.

Ein zeitloser Zufall mit aktueller Bedeutung

Es ist ein bemerkenswerter Zufall, dass Linckes 1899 uraufgeführte Operette in Neustrelitz Premiere feiert, kurz nachdem sich nach 50 Jahren Pause wieder Menschen auf den Weg zum Mond gemacht haben. Dieser Zufall erweist sich als besonders passend, denn Lincke hat mit seinem fantastischen Staat auf dem fernen Himmelskörper eine Utopie für ein friedliches Zusammenleben entwickelt, die bis heute Wunschdenken geblieben ist.

Regisseurin Angela Schweiger hat in ihrer Luna-Version zusätzliche utopische Elemente eingebracht: In ihrer Gesellschaft ist jeder willkommen, selbst mittellose Berliner. Passend dazu formt Frau Luna im Merkel-Stil die Raute und verkündet: „Wir schaffen das!“ Die Frauen haben die Macht übernommen, niemand muss arbeiten, und jeder kann frei nach seiner eigenen Fasson leben. Das Motto lautet: „Freiheit, Gleichheit, Schwerelosigkeit“, wie auf einem Plakat im Bühnenbild zu lesen ist.

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Eine fantastische Reise mit modernen Elementen

Die Handlung, die Lincke mit seinem Autor Heinrich Bolten-Baeckers vor mehr als 120 Jahren entwickelt hat, wirkt erstaunlich modern: Der arme Mechaniker Fritz Steppke, großartig gesungen und gespielt von Marcel Oleniecki, hat einen Traum – er baut an einem Ballon, mit dem er zum Mond fliegen will. In der Neustrelitzer Version begibt sich Steppke dank eines kräftigen Zugs Kokain auf die Reise in unbekannte Sphären.

Begleitet wird er vom Postboten Wilhelm Pannecke und dem Schneider Karl Lämmermeier, die von Ivo Kovrigar beziehungsweise Ryszard Kalus sowohl witzig als auch stimmlich überzeugend dargestellt werden. Eher ungeplant schließt sich Panneckes Verlobte, die Zimmerwirtin Frau Pusebach, gespielt von der kraftvoll komischen Natalie Jurk, der Reisegesellschaft an.

Bühnenbild und Kostüme schaffen magische Welten

Für die Darstellung der Mondfahrt bediente sich Ausstatterin Devi Saha eines mit heißer Luft gefüllten Ballons, der von dem Künstler Dominic Kießling entwickelt wurde. Insgesamt hat sie überzeugende Arbeit geleistet: Die kitschig-prächtigen Kostüme und Gemächer der Mondbewohner bilden einen treffenden Kontrast zu den Berliner Hinterhof-Kulissen. Mithilfe der Drehbühne gelingen fließende Übergänge zwischen den verschiedenen Welten.

Auf dem Mond treffen die Hauptstädter auf Frau Lunas seltsam anmutenden Hofstaat: Generalsekretär Theophil, skurril dargestellt von Robert Merwald, seinen tolpatschig-komischen Assistenten Mondgroom, gespielt von Sylke Urbanek, und die strahlend schöne Finanzministerin Stella, verkörpert von Sina Günther.

Musikalische Höhepunkte und zeitkritische Elemente

Die Komik entwickelt sich aus dem Zusammenspiel der Bewohner der Erde und des Mondes, aus ihren Differenzen und Ränkespielen, ihren Liebeleien und großen Lieben. Besonders hervorzuheben ist die Beziehung zwischen der armen Berliner Näherin Marie, gespielt von Laura Scherwitzl, und Prinz Sternschnuppe, dem „größten Popstar des Universums“, dargestellt von Andrés Felipe Orozco. Beide glänzen in ihrem Zusammenspiel.

Bei Linckes bekannten Hits wie „Das ist die Berliner Luft“, „Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe“ und „Schlösser, die im Monde liegen“ sang und klatschte das Publikum fröhlich mit. Ein ernsthafter Kontrapunkt wurde jedoch gesetzt, als die Sänger einen der vielen Lincke-Hits a cappella und sehr ernsthaft interpretierten: „Ist die Welt auch noch so schön, einmal muss sie untergehen. Darum singt, darum springt, darum trinkt. Und genießt, was der Tag euch noch bringt.“

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Musikalische Begleitung und tänzerische Höhepunkte

Unter der Leitung von Kenichiro Kojima spielte die Neubrandenburger Philharmonie erneut hervorragend auf. Der Opernchor zeigte sich vielseitig – die Mitglieder sangen nicht nur, sondern spielten und tanzten auch gekonnt. Die Deutsche Tanzkompanie setzte der bunten Revue auf dem Mond mit Spritzigkeit und Eleganz die Krone auf.

Einzig das Finale von „Frau Luna“ fiel bei all dem Glanz und Gloria, den die Akteure in zweieinhalb Stunden auf die Bühne zauberten, eher nüchtern aus. Dennoch bleibt die Inszenierung ein beeindruckendes Gesamterlebnis, das traditionelle Operettenfreude mit zeitgenössischen gesellschaftlichen Fragen verbindet.

Weitere Aufführungen im Landestheater Neustrelitz: 11. April, 24. April und 16. Mai, jeweils um 19.30 Uhr. Karten sind an den Theaterkassen in Neustrelitz und Neubrandenburg sowie über das Internet erhältlich.