Gojko Mitić: Die Filmlegende der DDR-Indianerfilme
Federschmuck, weite Landschaften, galoppierende Pferde und ein Mann, der schweigend für Gerechtigkeit kämpft – für eine ganze Generation in Ostdeutschland begann mit diesen Bildern die erste große Kinoleidenschaft. Nach dem Erfolg der Karl-May-Filme im Westen Deutschlands entschied sich die DDR in den 1960er- und 1970er-Jahren für ein eigenes Filmgenre: den Indianerfilm. Diese Streifen setzten bewusst einen Kontrapunkt zu Hollywood, indem nicht Cowboys, sondern die indigene Bevölkerung Nordamerikas im Mittelpunkt standen.
Der Aufstieg des Chefindianers
Die Erfolgsgeschichte begann 1966 mit „Die Söhne der großen Bärin“. Der Film lockte über zehn Millionen Menschen in die Kinos und markierte den Durchbruch für Gojko Mitić. Eigentlich im Skiurlaub, erhielt der Serbe einen überraschenden Anruf: Eine Filmgesellschaft suchte dringend einen Hauptdarsteller. Mitić rechnete ursprünglich nur mit einem einmaligen Auftrag, nicht mit einer großen Karriere. Doch mit seiner Präsenz, Körperlichkeit und glaubwürdigen Darstellung eines stolzen Indianers überzeugte er das Publikum trotz anfänglicher Synchronisation seiner Stimme.
Die wichtigsten Defa-Indianerfilme
- „Die Söhne der großen Bärin“ (1966): Der Film erzählt vom Widerstand der Dakota gegen Landenteignung und wurde zum Publikumsmagneten.
- „Chingachgook, die große Schlange“ (1967): Dieser ernste Film thematisiert das langsame Verschwinden indigener Kultur ohne klassisches Happy End.
- „Spur des Falken“ (1968): Verrat und gebrochene Verträge stehen im Mittelpunkt dieser historisch angelehnten Erzählung.
- „Tecumseh“ (1972): Die Geschichte des realen Shawnee-Anführers zeigt einen klugen Strategen im aussichtslosen Kampf.
- „Apachen“ (1973): Gewalt, Rache und Verzweiflung prägen diesen schonungslos realistischen Film.
Produktionsbedingungen und Authentizität
Die Defa-Indianerfilme wurden nur selten in den USA gedreht. Stattdessen nutzte man Landschaften in Rumänien, Bulgarien oder der damaligen Tschechoslowakei. Wälder, Berge und Ebenen verwandelten sich mit vergleichsweise einfachen Mitteln in die Prärie Nordamerikas. Für das Publikum spielte dies kaum eine Rolle – die Bilder wirkten glaubwürdig und authentisch. Die Filme erzählten von Unterdrückung, gebrochenen Versprechen und Widerstand, was sie bewusst von traditionellen Western unterschied.
Das Ende einer Ära
Anfang der 1980er-Jahre verlor das Genre langsam an Bedeutung. Das Kino geriet unter Druck, das Fernsehen gewann an Einfluss, und aufwendige Abenteuerfilme wurden zunehmend teurer. Gojko Mitić sieht vor allem finanzielle Gründe für das Ende: Die Filme seien häufig im Ausland gedreht und über spezielle Fonds finanziert worden, ohne ausreichend zu prüfen, welche Produktionen ihre Kosten wieder einspielen könnten. Mit „Der Scout“ erschien 1983 der letzte klassische Defa-Indianerfilm.
Gojko Mitić heute
Bis heute ist Gojko Mitić aktiv. Seit vielen Jahren lebt er in Berlin und bleibt Film und Theater eng verbunden. Neben seinen legendären Defa-Rollen trat er auch nach der Wende immer wieder vor die Kamera, zuletzt in „Alfons Zitterbacke – Endlich Klassenfahrt!“. Über viele Jahre prägte er zudem die Karl-May-Spiele in Bad Segeberg, wo er als Winnetou und in weiteren Häuptlingsrollen auf der Bühne stand. 2024 wurde er mit dem Verdienstorden des Freistaates Sachsen ausgezeichnet. Noch immer wird der heute 85-Jährige auf der Straße erkannt – für viele Fans bleibt er die Ikone ihrer Kindheit.



