Der Maler Harald Metzkes, bekannt für seine farbenfrohen Harlekine und Zirkusdarstellungen, ist tot. Er starb am vergangenen Donnerstag im Alter von 97 Jahren in Wegendorf in Brandenburg im Kreise seiner Familie, wie sein Sohn, der Bildhauer Robert Metzkes, der Deutschen Presse-Agentur bestätigte.
Metzkes, der auch als "Cézannist vom Prenzlauer Berg" bezeichnet wurde, zählte zu den Vertretern der Berliner Malschule. Eines seiner bekanntesten Werke ist „Der Abtransport der sechsarmigen Göttin“, berichtete sein 72-jähriger Sohn. Der Künstler widersetzte sich zeitlebens dem sozialistischen Realismus und schuf sein eigenes „Welttheater“.
Rembrandt statt sozialistischer Realismus
Metzkes wurde in der DDR vor allem bekannt, weil er mit dem sozialistischen Realismus nichts im Sinn hatte. „Es ging ihm nicht darum, kulturpolitische Forderungen umzusetzen“, schilderte sein Sohn. Stattdessen orientierte er sich an berühmten Malern wie Rembrandt oder Velázquez und an Paul Cézanne, den er als seinen Freund bezeichnete. Der Impressionist habe ihn zu Farbe inspiriert, nachdem er anfangs fast darauf verzichtet hatte.
Der Maler hielt zu DDR-Zeiten eisern an der Komödie, Harlekinen und Zirkusdarstellungen fest. Das seien Motive, „die als Parabeln die Möglichkeit bieten, in einer Übersetzung die Wirklichkeit abzubilden“, erklärte sein Sohn. Wegen der vielen theatralischen Figuren wird Metzkes‘ Werk oft als „Welttheater“ bezeichnet.
Steinmetzlehre, Studium, Buchillustrator
Metzkes wurde 1929 im sächsischen Bautzen geboren. Von 1947 bis 1949 absolvierte er eine Steinmetzlehre, bevor er an der Hochschule für bildende Künste in Dresden studierte. Später war er Meisterschüler an der Deutschen Akademie der Künste in Berlin bei Otto Nagel. Danach arbeitete er freischaffend in Berlin und hatte eine Atelierwohnung am Kollwitzplatz im Prenzlauer Berg. Er hatte erste Ausstellungen, verdiente seinen Lebensunterhalt jedoch mit Buchillustrationen. Ab Mitte der 1950er Jahre gehörte er der „Berliner Schule“ an, einer Gruppe von Künstlern, die fernab der offiziellen DDR-Kulturpolitik arbeiteten.
1984 wurde eines seiner Bilder zur Biennale nach Venedig gesandt, und Sammler im Westen entdeckten seine Arbeiten. Nach dem Mauerfall konnte er an diese Verbindungen anknüpfen. Heute sind seine Werke in Sammlungen und Museen bundesweit zu finden. 1997/98 nahm er an der Ausstellung „Das XX. Jahrhundert. Ein Jahrhundert Kunst in Deutschland“ in der Nationalgalerie Berlin teil.
7.30 Uhr an der Staffelei
Kurz vor seinem 90. Geburtstag betonte Metzkes die Bedeutung eines geregelten Tagesablaufs: „Um 7.30 Uhr will ich an der Staffelei sitzen. Es ist genug zu tun“, sagte er der dpa in seinem Atelier östlich von Berlin. Bis nachmittags arbeite er dann, manchmal auch länger, je nach Kraft und Inspiration. Über seine Intention sagte er: „Der Betrachter muss seine eigenen Wege gehen und eigene Assoziationen finden.“ Wenn er male, denke er nicht an den Betrachter. „Ich bin mir einiger Leute sicher, die dem folgen werden, und das genügt mir.“



