Harry G als falscher Wiesnwirt in 'Münchner Leben': Eine spöttische Liebeserklärung an München
Die Kammeroper München präsentiert eine einzigartige Operette, die Jacques Offenbachs 'Pariser Leben' in einen bayerischen Kontext überführt. Unter dem Titel 'Münchner Leben' wird eine Geschichte erzählt, die 1866 spielt, als Preußen Bayern im Deutschen Krieg besiegte. Oberregierungsrat Gröbner aus Berlin reist nach München, um die Stadt in einen Zoo für 'wilde bajuwarische Tiere' zu verwandeln. Diese satirische Prämisse dient als Ausgangspunkt für eine humorvolle Auseinandersetzung mit Münchner Stereotypen und Traditionen.
Die Entstehung der Operette
Aris Alexander Blettenberg, Musikchef der Kammeroper München, erklärt, dass 'Pariser Leben' zu etwa zwei Dritteln die Grundlage für 'Münchner Leben' bildet. Die Handlung folgt einer ähnlichen Struktur: Zwei Fremde kommen am Hauptbahnhof an und werden von Betrügern durch die Stadt geführt. Blettenberg betont jedoch mit einem Augenzwinkern, dass Betrüger in München natürlich nicht existieren – eine typisch lokale Verteidigung. Für die restlichen Szenen, insbesondere jene mit König Ludwig II., griff das Team auf andere Werke Offenbachs zurück, wie 'Le roi Carotte', um eine an Richard Wagner erinnernde Musik zu integrieren.
Markus Stoll alias Harry G in einer besonderen Rolle
Als Special Guest tritt Markus Stoll, bekannt als die grantelnde Kunstfigur Harry G, auf. Er spielt den falschen Wiesnwirt Korbinian Breznknödel, der in den 'Preißn' – einer umgangssprachlichen Bezeichnung für Preußen – ein lukratives Geschäft wittert. Stoll, der ursprünglich BWL studierte und durch ein Oktoberfest-Video zur Figur Harry G fand, bringt seine charakteristische Ironie in die Rolle ein. In einer Szene stellt er sich vor, wie das Oktoberfest in 150 Jahren aussehen könnte, und reflektiert dabei über aktuelle Trends wie die Differenzierung von Lederhosen zu Trachtenhosen oder den Aufstieg alkoholfreier Alternativen.
Historischer Kontext und moderne Bezüge
Die Operette spielt zwar im Jahr 1866, doch durch projizierte Fotos von Tobias Melle werden Bezüge zur Gegenwart hergestellt. Blettenberg hebt hervor, dass der Schauplatz am Hauptbahnhof eine natürliche Aktualität schafft, da dieser Ort auch heute ein zentraler Ankunftspunkt für Touristen ist, die sich für das Oktoberfest einkleiden. Neben historischen Figuren wie König Ludwig II. und der Hochstaplerin Adele Spitzeder thematisiert das Stück auch zeitgenössische Phänomene wie die 'Oide Wiesn', die Nostalgie mit modernen hygienischen Standards verbindet.
Perspektiven auf das Oktoberfest
In einem Interview diskutieren Blettenberg und Stoll ihre persönlichen Ansichten zum Oktoberfest. Stoll, der seit 20 Jahren in München lebt, kritisiert die gespielte Nostalgie der 'Oiden Wiesn' und bevorzugt die 'normale Wiesn' mit ihren Extremen. Blettenberg, gebürtig aus dem Ruhrgebiet, beschreibt sein Verhältnis zum Fest als entspannt und fasziniert von dessen Irrsinn. Beide betonen, dass eine leichte Distanz zum Thema hilfreich ist, um es kritisch zu reflektieren.
Herausforderungen und Besonderheiten der Aufführung
Blettenberg weist auf die Schwierigkeiten hin, Offenbachs Musik präzise zu interpretieren. Obwohl die Noten einfach erscheinen, erfordern sie Tempo und Genauigkeit, ähnlich wie bei Mozart. Die Gags müssen laut und pointiert über zwei Stunden hinweg funktionieren. Für Stoll, der normalerweise als Solo-Künstler auftritt, ist die Erfahrung, mit anderen Schauspielern auf der Bühne zu stehen, neu und beeindruckend. Er wird in 'Münchner Leben' als Überraschungsgast auftreten, der mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält – eine Rolle, die ihm aus seinen eigenen Shows vertraut ist.
Aufführungsdetails und Termine
'Münchner Leben' wird im Prinzregententheater gezeigt, mit Vorstellungen am 28. und 29. März sowie am 21., 22., 29. und 30. April. Karten sind ab 66 Euro erhältlich. Die Produktion vereint historische Elemente mit moderner Satire und bietet damit eine unterhaltsame Reflexion über Münchner Kultur und Identität.



