Historisches Fotoalbum kehrt nach Waren zurück: Publikumsmagnet im Stadtmuseum
Historisches Fotoalbum kehrt nach Waren zurück

Historisches Fotoalbum kehrt nach Waren zurück: Publikumsmagnet im Stadtmuseum

Ein außergewöhnlicher Dachbodenfund begeistert derzeit die Besucher des Stadtgeschichtlichen Museums in Waren. Die Sonderausstellung mit Fotografien der einst in der Stadt an der Müritz ansässigen Familie Otto zieht ungewöhnlich viele Menschen an. Die Bilder entstanden in den vergleichsweise unbeschwerten Vorkriegsjahren zwischen 1900 und 1910 und bieten einen faszinierenden Einblick in das damalige Leben.

Ein Schatz aus Südfrankreich

Begonnen hat alles mit einem Anruf und der Frage, ob das Stadtmuseum Interesse an alten Fotos habe. „Natürlich, klar haben wir das“, erinnert sich Museumsleiter Uwe Weiß. Im Sommer 2024 traf dann ein schweres Paket aus Südfrankreich ein, dessen Porto allein 40 Euro betrug. Der Inhalt übertraf alle Erwartungen: ein mehr als 120 Jahre altes Fotoalbum der Familie Otto, das zwei Weltkriege, fünf Generationen und ungezählte Umzüge überstanden hat.

Die Spenderin ist Karin Huper-Bizet, Urenkelin von Karl Otto Senior. Sie bewahrte das Album jahrzehntelang auf und schickte es nun zurück in die Heimat. Verblüffend ist die Tatsache, dass Familie Otto genau gegenüber dem heutigen Rathaus wohnte, in dem sich jetzt Museum und Ausstellung befinden. „Wenn man sich das überlegt, da wird man schon nachdenklich“, so Weiß.

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Bedeutender Bestandteil der Heimatgeschichte

Uwe Weiß, der selbst in Waren aufgewachsen ist, bezeichnet das Album als „wahrscheinlich eines der ältesten, wenn nicht das erste Amateur-Fotoalbum aus unserer Region“. Zwar gebe es ältere Bilder aus seiner Heimatstadt, aber nie zuvor sei ihm eine derart umfangreiche und gut erhaltene Sammlung in die Hände gekommen.

Der bleischwere Wälzer beinhaltet weit mehr als 300 Fotos in bester Qualität aus Waren und Umgebung. Darunter finden sich:

  • Szenen vom Marktplatz und einer Badestelle
  • Aufnahmen von Straßenzügen, Häusern und Pferdewagen
  • Bilder von Spaziergängen und Ausflügen
  • Ansichten vom Neustrelitzer Schloss, Serrahn, Neukalen und Remplin

Ausstellung lockt Hunderte Besucher

70 der insgesamt über 300 Fotos haben es in die Ausstellung „Streifzüge durch Waren um 1900“ geschafft. Vor allem bisher unbekannte Ansichten sind auf 20 Plakaten als Reproduktionen zu sehen. Manche Bilder wurden vergrößert, sodass faszinierende Details erkennbar werden.

Auf einem Wimmelbild vom Wochenmarkt ist beispielsweise zu sehen, dass wirklich alle Menschen – auch die Kinder – Hüte oder Mützen trugen. Außerdem dokumentiert das Bild das damalige Angebot: Räucheraal, Suppe, Schirme und natürlich Hüte waren zu erwerben.

„Etwa 1700 Leute waren schon hier, vor allem Einheimische, und richtig zielgerichtet wegen dieser Ausstellung“, berichtet Uwe Weiß begeistert. „Das haben wir sonst nicht so und freut uns natürlich sehr. Sogar im Januar waren 300 Leute hier. Da kommt normalerweise fast keiner.“

Verlängerung und Vortrag angekündigt

Wer die Ausstellung noch nicht gesehen hat, muss sich sputen – zumindest was den Standort im Museum betrifft. Ursprünglich war die Schau nur bis zum 1. März geplant. Wegen der großen Nachfrage und um barrierefreien Zugang zu ermöglichen, kündigt Uwe Weiß jedoch eine Verlängerung an.

Vom 9. bis zum 21. März werden die „Streifzüge durch Waren“ im Haus des Gastes erneut zu sehen sein. Zusätzlich hält der Museumsleiter am Donnerstag, dem 12. März, um 17 Uhr einen Vortrag zur Ausstellung. Dabei will er einzelne Bilder näher betrachten und Fragen beantworten wie:

  1. Welche Fotos halfen, das Album zu datieren?
  2. Welche Bilder zeigen unerwartete oder wichtige Unterschiede zu heute?
  3. Wohin reiste die Familie Otto?
  4. Welche Personen aus Waren konnten identifiziert werden?

Der Eintritt ins Museum und auch ins Haus des Gastes ist kostenlos. Das historische Fotoalbum, das durch zwei Weltkriege gerettet wurde und zu DDR-Zeiten mit Karl Otto Junior auswanderte, ist endlich wieder zu Hause in Waren – und begeistert die Menschen mit seinem einzigartigen Blick in die Vergangenheit.

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