Iris Berben übt scharfe Kritik an der heutigen Schauspielbranche
Die renommierte deutsche Schauspielerin Iris Berben, die bereits seit 1965 auf der Kinoleinwand zu sehen ist, hat in einem aktuellen Interview deutliche Worte für eine besorgniserregende Entwicklung in ihrem Berufsfeld gefunden. Die 75-jährige Künstlerin, die zu den erfolgreichsten Schauspielerinnen Deutschlands zählt, spricht offen über die Herausforderungen der heutigen Generation.
Neuer Film und persönliche Reflexionen
Gemeinsam mit Heiner Lauterbach (72) steht Iris Berben derzeit mit der neuen Kinokomödie "Ein fast perfekter Antrag" in den Startlöchern. In dem Film schlüpft sie in die Rolle einer Universitätsprofessorin – eine Position, die sie sich im realen Leben allerdings nicht zutraut. "Ich bin die, die aus mehreren Schulen geflogen ist und das Abi nicht gemacht hat", gesteht sie selbstironisch im Gespräch mit der Berliner Morgenpost.
Während Lauterbach als Honorarprofessor an der Macromedia University tätig ist und seiner Kollegin durchaus Lehrtalent attestiert, bleibt Berben bescheiden: "Ich weiß nicht, ob ich das könnte. Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Ich war ja selbst auch nicht auf einer Schauspielschule." Dennoch steht der Besuch eines Kurses ihres Kollegen auf ihrer Wunschliste.
Schärfste Kritik an der Branche
Die eigentliche Brisanz des Interviews liegt jedoch in Berbens schonungsloser Analyse der aktuellen Schauspielszene. Die erfahrene Darstellerin beobachtet eine alarmierende Entwicklung: "Junge Schauspielerinnen und Schauspieler stehen heute unter einem ungeheuren Druck, Likes und Dislikes entscheiden vordergründig über eine Karriere."
Ihre Kritik richtet sich gegen den Einfluss sozialer Medien auf künstlerische Karrieren, wo Popularitätsmetriken zunehmend über Chancen und Erfolg bestimmen. "Aber gerade da braucht es ein Korrektiv!", fordert Berben entschieden. "Erst mal der sein, der man sein will."
Lebenserfahrung als wertvoller Ratgeber
Die Schauspielerin betont, wie wichtig es ist, jungen Kollegen ihre politischen und lebenspraktischen Erkenntnisse weiterzugeben. Besonders jungen Frauen möchte sie vermitteln: "Es ist so viel wichtiger und spannender, sich selbst zu erkennen, sich nicht an Erwartungen anderer abzuarbeiten, um Erfolg zu haben."
Ihr Appell gegen jede Form der Ausgrenzung und für mehr Authentizität findet Unterstützung bei Heiner Lauterbach. Der Schauspielkollege und Professor pflichtet ihr bei und wünscht sich von seinen Studierenden mehr "authentische Ecken und Kanten". "Genau das müssen sie behalten, das wird später zu ihrem Pfund", betont er.
Eine Branche im Wandel
Die kritischen Worte der beiden erfahrenen Schauspielgrößen werfen ein Schlaglicht auf die tiefgreifenden Veränderungen in der Film- und Medienbranche. Während Berben und Lauterbach ihre Karrieren in einer Zeit ohne soziale Medien begannen, müssen sich junge Talente heute in einem völlig veränderten Umfeld behaupten.
Die Mahnung der 75-Jährigen ist deutlich: Der Erfolg sollte nicht von Likes und Dislikes abhängen, sondern von künstlerischer Integrität und persönlicher Authentizität. In einer Branche, die zunehmend von quantifizierbaren Metriken geprägt ist, plädiert Berben für qualitative Werte und individuelle Entwicklung.



