Die 61. Biennale in Venedig, eine der bedeutendsten Kunstausstellungen weltweit, wurde vor wenigen Tagen eröffnet. Doch statt künstlerischer Höhepunkte bestimmen politische Spannungen das Bild. Grund ist die Teilnahme eines israelischen Künstlers, die bei Israel-Gegnern heftige Reaktionen auslöst. Sogar die Hauptpreis-Jury ist bereits zurückgetreten, sodass in diesem Jahr kein „Goldener Löwe“ verliehen wird – lediglich ein Publikumspreis bleibt übrig.
Künstler im Fokus der Proteste
Der rumänisch-israelische Künstler Belu-Simion Fainaru (66) zeigt eine meditative One-Man-Show mit einer Wasser-Installation. Gegenüber BILD betont er: „Es gibt da kein politisches Statement.“ Dennoch kommt es zu Demonstrationen, weil er aus Israel stammt. „Wenn ich gehen würde, wäre das vorbei. Andere Länder haben wegen mir schon ihre Pavillons geschlossen: Belgien, Holland, Österreich und Großbritannien etwa. Sie streiken.“ Die betroffenen Pavillons blieben für einen Tag geschlossen. Teammitglieder und Künstler beteiligten sich an dem von der Protestgruppe „Art Not Genocide Alliance“ organisierten Streik, um gegen die Teilnahme Israels zu demonstrieren.
Kunst als neutraler Raum?
Fainaru, der vor sieben Jahren bereits als rumänischer Künstler bei der Biennale teilnahm, versteht die Aufregung nicht. „Sie wollen nicht, dass Israel Teil der Ausstellung ist. Aber ich werde hier bleiben. Es war viel Arbeit und ein großes Investment. Ich denke, dass Kunst ein Ort der Freiheit ist und nicht eine politische Arena.“ Kunst solle ein neutraler Ort sein, an dem Länder wie Israel, Iran und Saudi-Arabien nebeneinander ausstellen könnten. Neben den Protesten gegen Israel gibt es auch Kritik an der Teilnahme Russlands aufgrund des Angriffskrieges auf die Ukraine. Bei den Demonstrationen überwiegen jedoch diejenigen, die sich gegen den jüdischen Staat richten.
Reaktionen und Unterstützung
BILD fragte beim von der italienischen Regierung gesponserten Veranstalter nach einer Stellungnahme zu den Protesten. Bislang blieb eine Antwort aus. Klar ist: Die Teilnahme Israels wurde im Vorfeld genehmigt, und Italiens Vize-Premier Matteo Salvini (53) besuchte persönlich den israelischen Pavillon, um seine Unterstützung zu zeigen. Fainaru freut sich zudem über den angekündigten Besuch des deutschen Kulturstaatsministers Wolfram Weimer am Freitag: „Das bedeutet mir sehr viel.“



