Joyn setzt Ausstrahlung von Christian Ulmens Serie 'The Au Pair' aus
Die geplante Joyn-Serie The Au Pair mit Christian Ulmen wird vorerst nicht zu sehen sein. Wie die Wochenzeitung Die Zeit berichtet, hat der Streamingdienst die Ausstrahlung der Serie bis auf Weiteres gestoppt. Grund seien auffällige inhaltliche Parallelen zu den schwerwiegenden Vorwürfen, die Ulmens Ex-Frau Collien Fernandes gegen ihn erhoben hat.
Parallelen zwischen Drehbüchern und Vorwürfen
Laut dem Bericht liegen der Redaktion sechs von acht Drehbüchern der Serie in Fassungen kurz vor Drehbeginn vor. Obwohl die Zeitung aus urheberrechtlichen Gründen nicht wörtlich zitieren darf, beschreibt sie Motive und Szenen, die frappierende Ähnlichkeiten zu den öffentlich gewordenen Anschuldigungen aufweisen. Dazu gehören Themen wie:
- Falsche Identitäten im Internet
- Pornografische Inhalte
- Das Geständnis einer Figur, intime Bilder einer Partnerin in Sex-Chatforen veröffentlicht zu haben
Eine Sprecherin von Seven.One Studios, das für Joyn produziert, kommentierte die Spekulationen über diese Parallelen nicht. Sie bestätigte lediglich, dass eine Ausstrahlung der Serie für 2026 nicht geplant war oder ist.
Produktionsfirma distanziert sich von Ulmen
Die Produktionsfirma Pyjama Pictures, die Ulmen mitgegründet hat, hat sich bereits öffentlich von ihm distanziert. In einer Stellungnahme vom 20. März heißt es, man sei mit Ulmen im Gespräch, seine Gesellschafteranteile zurückzugeben. Seit Mai 2023 ist er nicht mehr in der Geschäftsführung tätig. Zudem sind keine weiteren Projekte mit Christian Ulmen als Showrunner in Planung.
Die Vorwürfe von Collien Fernandes sind schwerwiegend. Sie beschuldigt Ulmen, sie virtuell vergewaltigt zu haben. Laut ihren Angaben soll er täuschend echt aussehende Fake-Profile von ihr in sozialen Medien wie LinkedIn erstellt und darüber Hunderte Männer kontaktiert haben. Über diese Accounts soll er sich als Fernandes ausgegeben und Chats mit sexuellen Inhalten geführt haben, wobei er erotische Bilder und Videos verschickte, die den Eindruck erweckten, als handele es sich um Aufnahmen von ihr.
Juristische Auseinandersetzung und MDR-Entscheidung
Fernandes hatte Ulmen auf Mallorca angezeigt. Das zuständige Bezirksgericht auf Palma entschied jedoch, die Ermittlungen nach Deutschland abzugeben. Der spanische Anwalt von Fernandes kündigte an, Rechtsmittel gegen diese Entscheidung einzulegen.
Während Joyn die Serie zurückhält, zeigt der MDR weiterhin einen Tatort aus dem Jahr 2017, in dem Ulmen eine Hauptrolle spielt. Ein Sprecher des Senders begründete diese Entscheidung damit, dass es zwar schwerwiegende öffentliche Vorwürfe gebe, aber bislang keine juristische Klärung. Eine Depublikation sei eine der einschneidendsten Maßnahmen und erfordere eine sehr fundierte sachliche Grundlage. Der MDR betonte zudem, dass Tatorte als filmische Werke die Leistung vieler Beteiligter seien und nicht auf die Mitwirkung Ulmens verengt werden sollten.
Die Anwälte von Christian Ulmen haben zu den Vorwürfen Stellung bezogen. Sie bestreiten, dass Ulmen jemals Deepfake-Videos von Fernandes oder anderen Personen hergestellt oder verbreitet habe. Auf Fragen zur Serie The Au Pair haben sie bislang nicht geantwortet.
Die Serie wurde im Herbst auf Mallorca gedreht. Viele Mitwirkende können sich wegen Geheimhaltungsvereinbarungen nicht öffentlich äußern. Die Entwicklung zeigt, wie persönliche Vorwürfe und künstlerische Projekte in der Unterhaltungsindustrie zunehmend miteinander verflochten sind und Streamingdienste sowie Sender vor schwierige Entscheidungen stellen.



